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GoalControl beim Confed Cup: Goodbye Wembley!

Es ist DAS umstrittenste Tor der Fußballgeschichte. Am 30. Juli 1966 trifft (oder trifft eben nicht) Geoff Hurst zum 3:2-Zwischenstand der englischen Fußballnationalmannschaft gegen das deutsche Team. Bis heute konnte nicht endgültig geklärt werden, ob der Ball damals hinter die Linie sprang oder nicht. Der Treffer wurde gezählt und ging als Wembley-Tor in die Annalen der Fußballgeschichtsbücher ein.

Ein weiteres Kapitel wird nun wohl nicht hinzukommen, denn ironischerweise ausgerechnet eine deutsche Firma wird dafür sorgen. Dirk Broichhausen und seine Kollegen werden im Auftrag der FIFA ihre Torlinientechnik GoalControl bei dem am Wochenende beginnenden Confederations Cup in Brasilien testen. Ein Linienrichter, wie 1966 aus Aserbaidschan, wird dann durch einen Computer ersetzt.

Broichhausen mag es zwar nicht recht zugeben, aber „irgendwie hoffen wir doch auf eine Bewährungsprobe für unser System“. Es wäre doch „grandios“, meint er in einem Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst, wenn es eine strittige Szene klären könnte. „Wir sind überzeugt, dass wir unseren Job erledigen, und sehen realistische Chancen, auch die WM ausstatten zu dürfen“, sagt Broichhausen, sein Kollege Jürgen Philipps ergänzt: „Wir haben alle Tests bestanden und sind zu 100 Prozent einsatzbereit.“

Kaum Umbauten in den Stadien notwendig

Dabei war es eine Überraschung, dass GoalControl Anfang April den Zuschlag bekam. Mitbewerber war neben den Systemen Cairos und Goalref, die mit Sensor oder Chip im Ball arbeiten, das im Tennis bewährte Hawk-Eye, das von einem FIFA-Sponsor (Sony) entwickelt wurde. Der Weltverband teilt mit, dass „insbesondere die Fähigkeit, sich den lokalen Gegebenheiten bei den beiden Turnieren in Brasilien anzupassen“, den Ausschlag gegeben habe.

Broichhausen konkretisiert, die „herausragende Flexibilität und Genauigkeit“ von GoalControl sei entscheidend gewesen. Das System könne mit jedem Ball arbeiten und was wohl für die Vereine und Verbände wichtig ist: Es sind weniger teure Umbauten nötig. Nötig sind 14 Hochgeschwindigkeitskameras, die etwa unter dem Stadiondach angebracht werden und das gesamte Spiel über die Position des Balls in drei Dimensionen erfassen. Überquert der Ball die Torlinie komplett, empfängt die Uhr des Schiedsrichters innerhalb von einer Sekunde das Signal „Goal“. Die Umbauosten pro Stadion belaufen sich auf rund 200.000 Euro.

Torlinientechnologie

Restzweifel bleiben

Komplett 100 Prozent Sicherheit kann und soll laut FIFA die Technik nicht liefern. Der Weltverband ließ eine Messtoleranz von knapp drei Zentimetern zu. Restzweifel bleiben also bestehen, auch wenn Broichhausen sie ausschließt: „Wir schaffen fünf Millimeter“, sagt er stolz.

GoalControl kann die Position des Balls sogar errechnen, wenn der von Spielern verdeckt wird. Die FIFA ist von der Technologie überzeugt, die Deutsche Fußball Liga (noch) nicht. „Nicht vor dem 1. Juli 2015“ will die DFL Torlinientechnik einführen, wie der Ligaverband vor einigen Monaten mitteilte.

In einer Umfrage des Fachmagazins kicker sprachen sich in der Woche vor dem Konföderationenpokal knapp 80 Prozent der teilnehmenden Spieler für die Torlinientechnik aus. Unter dem Dach der UEFA wird es ebenfalls in absehbarer Zeit keine Technisierung geben. Die Europäische Fußball-Union setzt in Champions und Europa League weiter auf Torlinien-Assistenten. Die Premier League in England und die Ehrendivision in den Niederlanden sind da etwas weiter: Sie nutzen ab der kommenden Saison die aus dem Tennis bereits bewährte Technik Hawk-Eye.

No more Bloemfontein!

Gerade auf der Insel sind die Erinnerungen an Tor oder Nicht-Tor schmerzlich. Spricht man in England beim Wembley-Tor lediglich vom „dritten Tor“ oder „Geistertor“, sieht es ganz anders bei dem Lampard-Nicht-Treffer aus dem WM-Achtelfinale 2010 aus. Das Motto lautet: No more Bloemfontein! Der Mittelfeldspieler hämmerte die Kugel auf das deutsche Tor, Manuel Neuer spielte weiter und die Pfeife des Schiedsrichters blieb stumm. Auf Fernsehbilder konnte man in Nachhinein eindeutig sehen, dass sich der Ball weit hinter der Torlinie befand. Da war auch FIFA-Präsident Joseph S. Blatter klar: „Torlinientechnik ist eine Notwendigkeit.“

Der Weltverband bekräftigte aber auch: Die endgültige Entscheidung obliegt immer dem Unparteiischen! Die von Sepp Herberger geprägten Fußballweisheiten bleiben also bestehen: „Der Ball ist rund“, „das Spiel dauert 90 Minuten“, „Tor ist wenn der Schiri pfeift.“

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Veröffentlicht am 14/06/2013, in Fußball International. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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