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Brasilien: Die WM-Paläste und der Leerstand

Starten wir einen kurzen Rückblick: Um die Jahrtausendwende wurden die Fußballtempel Deutschlands aufgerüstet oder umgebaut. In Orten wie Kaiserslautern, Hannover oder München wurden Millionen investiert. Auch in Leipzig wurde das Zentralstadion modernisiert. So weit so gut.

Die FIFA-Weltmeisterschaft 2006 war daraufhin ein großer Erfolg. Die Massen pilgerten in die Stadien, die Stimmung war atemberaubend. Die Stimmung in Brasilien wird ohne Frage grandios werden. Die Menschen leben und atmen Fußball tag ein, tag aus.

Aber wie auch in Südafrika wird sich in dem südamerikanischen Land die Frage der Stadionnutzung stellen. In Städten wie Sao Paulo, Rio de Janeiro oder Porto Alegre ist dies keine Frage. Hier spielen mehrere Erstligisten, hier spielen Topklubs des Landes. In Manaus, Brasilia, Cuiaba und Natal stehen gleich vier Arenen vor einer unsicheren Zukunft.

Diese wahren Fußballtempel sind die Krönung der modernen Fußballarchitektur. Aber was wird aus ihnen, wenn sich die Stars der WM wieder in den Urlaub verabschiedet haben?

Irrwitzige Pläne in Manaus

In Manaus ist die Regionalregierung nun auf die Idee gekommen, in der ortsansässigen Arena in Zukunft Gefangenentribunale abzuhalten. Die Verbrecher des Amazonas werden also dort verurteilt, wo noch Wochen zuvor der „Joga Bonito“ zelebriert wurde.

Ja, es stimmt, der oberste Bundesrichter Sabino Marques bestätigte via seines Justizsprechers Alvaro Corado die Pläne: „Er wird der Bundesstaatsregierung von Amazonas möglicherweise vorschlagen, das Stadion nach der WM als Prozesszentrum für Gefangene zu nutzen.“

Nun gut, immerhin ein Plan… Aber die Wurzel des Übels liegt natürlich ganz woanders. Von der FIFA wurden acht Stadien gefordert, Brasilien hat vier mehr gebaut bzw. in der Planung. Vier? Genau, exakt vier Stadien mehr als gefordert und exakt vier Arenen haben eine ungewisse Zukunft vor sich. Zufall? Wohl eher nicht.

Als die WM vergeben wurde, haben sich die Stadt- und Landesfürsten die Hände gerieben. Jeder wollte Spielort sein, doch nicht jeder konnte es, also hat man schnell beschlossen, dass man einfach ein paar zusätzliche, vom Weltverband gar nicht geforderte, bestimmt. Dass die Arenen in Manaus, Cuiaba und Natal zudem auch in einem Gebiet liegen, wo es keinen Erstligisten gibt, spielte bei der Auswahl keine Rolle.

Hier spielen Mannschaften teilweise nicht einmal in einer der vier obersten Ligen, haben also somit nicht die Perspektive in die Serie A aufzusteigen. Zudem liegen die Städte nicht in Industrieregionen, der Einzugsraum ist, gemessen an den Bewohnern winzig. In der Metropolregion Rio de Janeiro leben knapp zwölf Millionen Menschen, in Ballungsraum Sao Paulo gar 20 Millionen. In Cuiaba eine Million Menschen, in Natal sind es noch nicht einmal so viele und der Ballungsraum Manaus beherbergt lediglich knapp zwei Millionen Brasilianer.

Die Macht, der Einfluss war größer als die Vernunft. Millionen wurden investiert, auch dagegen wandten sich die Proteste, doch der Verband gab sich keine große Mühe, ein Weiternutzungskonzept zu erarbeiten. „Es hängt von der Kreativität und der Phantasie der Besitzer und Betreiber dieser Stadien ab, wie sie nach der WM genutzt werden“, hatte der Präsident des brasilianischen Fußball-Verbandes, José Maria Marin, gesagt.

Ideen sind willkommen!

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Veröffentlicht am 27/09/2013 in Fußball International, WM 2014 und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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