Advertisements

Archiv für den Monat Oktober 2013

Mané Garrincha – eine gebrochene Legende

Jedes Jahr am Ende des zehnten Monats jährt sich das Geburtsdatum des in Brasilien neben Pelé als besten Fußballer aller Zeiten gefeierten Manoel Francisco dos Santos, bekannt als Garrincha.

Während Jahrhundertfußballer Pelé sein Leben nach dem Ende seiner Karriere vermarktete, brach Garrincha zusammen. Als Kind wegen seiner ungleich langen Beine gekränkt, soll er schon in frühen Jahren dem tückischen Gift namens Alkohol verfallen sein. Sein Schmerzen ertrank er so, im Privaten kam er nie zurecht.

Auf dem Platz glänzte er neben und manchmal auch mehr als Pelé. Nicht Wenige sagen, dass Pelé geschätzt werden, aber wirklich verehrt und vergöttert wird nur der Junge mit den krummen Beinen, der niemals umfiel. Immer wieder ist es ein Trick, der mit der Alegria de Povo, der Freude des Volkes, in Verbindung gebracht wurde. Einmal, zweimal antäuschen, mit dem Oberkörper wippend vor und zurück springend, plötzlich stoppt er, am Gegner vorbei ziehen und noch einmal inne halten, um den Verteidiger wieder herankommen zu lassen, um ihn dann wieder eines besseren Fußballs zu belehren.

Der Stern des wohl besten Rechtsaußen der Welt ging 1958 bei der Weltmeisterschaft in Schweden auf. Die Leute wussten damals, dass sie Zeugen eines einzigartigen erstens Auftretens eines ebenso einzigartigen Fußballers waren.

Zweimal durfte er weltmeisterliche Ehren in Empfang nehmen. Der Glanz, das Verehren der Menschen auf der Straße sollte aber nicht reichen. Alkoholflaschen pflasterten seinen Weg, sein Leben war geprägt davon. Mehrere Autounfälle waren die Folge, bei einem starb gar seine damalige Schwiegermutter.

Die Menschen wussten es, sie verehrten ihn dennoch. Von der Flasche weg bekamen ihn aber nicht. Kurz nach der WM 1982, als das trickreiche brasilianische Spiel, ein abruptes Ende fand, schied auch Garrincha aus dem Leben. Im Suff. Vom Schnaps und Wein geprägt, verarmt im Alter von nur 49 Jahren.

Tausende Anhänger ehrten ihn bei der Beerdigung ein letztes Mal. Auf seinem Grabstein steht: „Hier ruht in Frieden einer, der das Volk glücklich gemacht hat – Mané Garrincha“

Advertisements

Neues von Balotelli: Irokesen-Verbot für den Stürmer-Star

Jetzt muss Mario Balotelli (23) ganz stark sein…

Der AC Mailand will seinem Star-Stürmer ein neues Image verpassen: Schluss mit Irokesen-Frisur, Diamanten-Ohrringen und anderen Extravaganzen. Wie die italienische Zeitung „Gazzetta dello Sport“ berichtet, hat sich Geschäftsführer Adriano Galliani bei einem Treffen mit Balotelli und dessen Manager Mino Raiola versichern lassen, dass der Exzentriker nicht mehr für Skandale sorgen wird. Um ganz sicher zu gehen, soll Milan einen ehemaligen Elitepolizisten als Aufpasser engagiert haben.

Balotellis Berater: „Mario bekommt keinen Aufpasser. Das ist eine Erfindung der Presse. Vielleicht war es ein Fehler, Mario nach Italien zurückzubringen. Ich weiß nicht, wie er mit so einem Druck über 365 Tage umgehen kann.“  Wird Balotelli ganz brav? Italiens Nationalspieler soll Galliani zugesichert haben, sich seine Haare schneiden zu lassen und den Schmuck abzulegen. Zudem will der Superstar auf seinen schwarzen Ferrari (hat noch einen anderen Ferrari und weitere Autos) verzichten, seine Luxusvilla außerhalb Mailands verlassen und sich eine Wohnung in der Metropole suchen, um mehr Zeit mit den Mannschaftskollegen zu verbringen.

Es ist schwer vorzustellen, dass es ab jetzt wirklich ruhig wird um Balotelli. Erst vor kurzem hatte er versucht, auf dem Flughafen in Neapel einem Kameramann seine Kamera aus der Hand zu schlagen. Grund: Das Gedränge war ihm zu groß…

Lage der Liga: Hertha überrascht in der Bundesliga nicht nur die Bayern

„Glückwunsch, Jos! Ihr wart absolut und überhaupt die beste Mannschaft, gegen die wir gespielt haben.“ Das sagte Bayerns Trainer Pep Guardiola nach dem 3:2-Sieg des deutschen Rekordmeisters gegen Hertha BSC. Von allen Seiten bekamen die Berliner für ihren Auftritt in München Lob; allen voran Trainer Jos Luhukay. Auch Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge hatte den Niederländer vor dem Spiel gelobt. „Die Hertha ist bis dato die positive Überraschung der Bundesligasaison, eine Mannschaft, die sehr gut aufgetreten ist. Ich glaube, das liegt vor allem an dem Trainer, den sie haben, der einen sehr guten Job macht, der sehr gut zur Mannschaft passt“, sagte er.

Hertha ist in der Bundesliga schneller angekommen, als vor der Saison anzunehmen war. Luhukay war optimistisch. Man sei nicht schlechter als sieben oder acht andere Mannschaften in der Liga, ließ er wissen. Dass die Berliner aber nach zehn Spieltagen mit 15 Punkten (von 30 möglichen) auf Tabellenplatz fünf stehen, war nicht zu erwarten. Erst drei Niederlagen, dazu hat Hertha nach Bayern, Dortmund und Leverkusen die wenigsten Gegentore kassiert. „Wir haben uns alles hart verdient. Wir stehen defensiv stabil, können unsere Gegner unter Druck setzen. Darauf können wir stolz sein“, sagte Luhukay.

Die Stimmung im Verein ist gut, die Fans zufrieden und Manager Michael Preetz wurde mit einer Vertragsverlängerung bis 2017 belohnt. Bei Hertha läuft´s. Es ist noch gar nicht so lange her, da hatten die Berliner viele Sympathien verspielt und fanden sich einmal mehr in der Zweiten Liga wieder. Die ständigen Trainerwechsel, das Skandalspiel gegen Düsseldorf und die darauf folgenden Gerichtsverhandlungen – viel schlechter hätte die Außenwirkung des Klubs nicht sein können. Mit der Verpflichtung von Luhukay gelang Manager Preetz der größte Schachzug in seiner Funktionärskarriere. Der Niederländer schaffte es mit seinem Amtsantritt positive Stimmung in Berlin zu verbreiten. Am Ende der Zweitliga-Saison hatte Hertha die Zweitliga-Meisterschaft gewonnen, mit 76 Zählern einen neuen Punkterekord aufgestellt.

Und nun dieser famose Start in die Bundesliga-Saison. Luhukay schafft es, seine Spieler bei Laune zu halten, auch wenn sich einer der etablierten Kräfte mal auf der Ersatzbank wiederfindet. Die Berliner sind topfit, was sich besonders in der Schlussviertelstunde bisher mehr als einmal bemerkbar machte, wenn seine Spieler mehr liefen als der Gegner. In München lief Hertha insgesamt 129 Kilometer, zwölf mehr als die Bayern. Auch die Zweikampf-Bilanz sprach für die Luhukay-Elf (53 Prozent gewonnene Zweikämpfe). Und so soll es weitergehen. Nach der Bayern-Partie sagte Jos Luhukay Richtung Winterpause (noch sieben Spiele): „Es sind fünf Zähler bis zur 20-Punkte-Marke. Wir wollen aber vielleicht noch ein paar mehr.“

Die Berliner Fans sind gespannt, was noch alles möglich ist. Die Erfahrungen der letzten Jahren haben aber einen Großteil gelehrt, nicht zu schnell in Euphorie zu verfallen. Das Vertrauen in Mannschaft und Trainer ist jedenfalls groß. Am Wochenende erwartet Hertha im heimischen Olympiastadion Schalke 04 – den bei den Fans nicht gerade beliebten Tabellennachbarn (Platz sieben). Ein Sieg würde die Euphorie weiter steigern. Und was kommt dann? „Respekt. Gegen die werden noch andere Probleme kriegen“, sagte Bayerns Thomas Müller.

Derby-Alarm in der Bundesliga

Das Mutter aller Derbys in Deutschland steht an. Im Revier schauen die Fans auf Samstag 15.30 Uhr. Dann heißt es wieder Königsblau gegen Schwarz-Gelb, Keller gegen Klopp oder auch Kevin Großkreutz gegen seinen Lieblingsklub…

Dieses Spiel wird alles überstrahlen und das ist auch gut so! Endlich ist ein Spiel auf der Tagesordnung, was irgendwo auch ganz Deutschland fesselt. Ähnliches birgt wohl nur das langsam wachsende deutsche Clasico zwischen Bayern und dem BVB.

Was aber viel wichtiger ist, mit einem Sieg auf Schalke, stürzen ausgerechnet die Erzrivalen Königsblau wieder in eine Krise. Und die sind in Gelsenkirchen hinter jeder Ecke zu finden! Das Spiel gegen die tapferen Löwen war mehr als glücklich, gegen Chelsea waren Boateng und Co. komplett chancenlos.

Auch wenn man immer wieder gern hört, dass es ja gar nicht so deutlich, ja sogar ein Remis drinnen war, dann haben die Schalker leider nicht das gleiche Spiel gesehen. Die Blues waren stärker, sie haben gespielt, wie sie es wollten und Dortmund kommt mit einer Euphoriewelle in die Arena, da schaudert es Jens Keller bereits jetzt!

Wenige Minuten vor Abpfiff das Spitzenspiel in der Champions-League-Gruppe geholt, nun soll der Derby-Sieg her, das hat Nuri Sahin schon nach Ende des Spiels in London gesagt. Schalke wollte eigentlich auch dort stehen, auf der Sonnenseite, auf der Siegerseite. Nun ja, so ganz funktioniert hat es nicht.

Schalke ist ein Scheinriese! Sie wollen ein großer Name sein, doch Jahr um Jahr passiert etwas, dass sie nicht dorthin gelangen, wo sie hin wollen und auch irgendwo gehören. Während sich der Rivale aus Dortmund klamm und heimlich nach oben mauserte, die Bayern in den vergangenen Jahre ärgerte, stach S04 immer mal wieder heraus, aber Ruhe ist ein Fremdwort…

Nun denn, es kommt zum Duell, aber es sind noch mehr Spiele am Wochenende. Mainz gegen Braunschweig zum Beispiel. Nicht besonders brisant auf den ersten Blick, aber auf den zweiten sieht man zwei Taktikfüchse gegeneinander spielen. Während Tuchel als Spieler unter Ralf Rangnick sicher das Eine oder Andere mitnahm, hat Torsten Lieberknecht lange mit Jürgen Klopp gespielt. Tuchel und der Löwenbändiger sind taktisch herausragend.

Auch wenn das Spiel taktisch werden zu sein scheint, wird es für Fans wohl langweilig. Für Trainer ein Augenschmaus, für Fans ein Graus.

Jeder träumt davon: „Die Nationalelf: Momente für die Ewigkeit“

Geschafft. Auch das letzte WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden hat die deutsche Nationalmannschaft erfolgreich gestaltet: 5:3 hieß es nach 90 Minuten. Am Ende der Qualifikation stehen damit neun Siege und nur eine Niederlage nach zehn Spielen – eine mehr als beeindruckende Bilanz, die das Team von Bundestrainer Joachim Löw automatisch zu einem Titelkandidaten für die WM im nächsten Jahr in Brasilien macht.

3639.jpg.440599

1. Auflage, 240 Seiten, 113 Farbfotos, 53 S/W Fotos, Format 27,8 x 29,7 cm, gebunden mit Schutzumschlag, Delius Klasing

Das Vertrauen ins deutsche Team ist groß. Nach den verpassten Chancen bei den letzten vier großen Turnieren, soll es endlich wieder klappen mit einem Titel. Drei Mal hat es bei einer WM schon geklappt: 1954, 1974 und 1990. Dazu kommen drei EM-Titel: 1972, 1980 und 1996. Der DFB ist der größte Sportverband der Welt und einer der erfolgreichsten. Die Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes und der Nationalelf ist lang und spannend. Es gab viele Momente, die einem ewig in Erinnerung bleiben.

Der Journalist Alexander Laux hat die Geschichte der Nationalmannschaft in einem Buch zusammengefasst: „Die Nationalelf: Momente für die Ewigkeit“. Er schreibt über die schönsten Spiele und bittersten Niederlagen, von Helden und tragischen Figuren. Dazu lässt Laux viele ehemalige und aktuelle Nationalspieler zu Wort kommen. Abgerundet wird das Werk von vielen tollen Abbildungen.

Diese lassen einen in Erinnerungen schwelgen, oder lassen einen an Spielen und Ereignissen teilhaben, die man selbst so nicht miterlebt hat. Warum ist die Geschichte der DFB-Elf so faszinierend? Der ehemalige Welttorhüter Oliver Kahn versucht es im Buch zu erklären: „Jeder junge Fußballer träumt davon, einmal in diesem Trikot auf dem Rasen zu stehen. (…) Er träumt davon, in ein Stadion einzulaufen, die Hände hinter dem Rücken zu verschränken, die Brust herauszustrecken und dann die Hymne mitzusingen. (…) Wenn dein Traum Wirklichkeit wird, kommen diese Bilder wieder in dir hoch. Und vor deinem geistigen Auge spazieren deine deutschen Legenden entlang.“

Der Zauber der Nationalelf. Wer ihn einmal erleben möchte, sollte sich dieses Buch zulegen.

Caxias vibrierte unter den Füßen von Gremio und Internacional

Das Gre-Nal, Gremio Porto Alegre gegen Internacional. Ein Derby der Gegensätze. Am Sonntag wurde es wieder ausgetragen. Dieses Mal im kleinen, intimen Estadio Centenario in Caxias do Sul.

Das Spiel ist noch gar nicht angepfiffen. Der Spielbeginn ist noch weit weg, doch das Stadion bebt. Die Inter-Fans klopfen an den Zaun, der sie eingrenzt. Sie springen, singen lautstark, schreien sich das erste Mal die Seele aus dem Leib. Der Grund ist schnell ausgemacht. Der Mannschaftsbus von Gremio ist eingebogen und unter der Beobachtung der Colorado unter der Arena verschwunden.

Ein zweites Mal höre ich diese Lautstärke als Gremio zum Warmmachen auf das Feld kommt. Den Anfang macht der Keeper. Mit Dida steht kein Unbekannter im Tor Gremios. Ganz im Gegenteil. Der langjährige Nationalkeeper und Weltmeister 2002 wird dennoch ausgepfiffen und mit Flüchen belegt. Als Internacional den Rasen betritt bebt das Stadion aufs Neue. Ich spüre die Vibrationen, die Lautstärke ist ohrenbetäubend.

Einer wird ganz besonders gefeiert: Andres D’Alessandro. Der ehemalige Wolfsburger ist in Porto Alegre zur rot-weißen Legende geworden. D’Ale, D’Ale-Rufe hallen ihm entgegen. Der Kapitän reckt die Arme in die Höhe, stimmt seine Fans ein. Diese feiern ihn und das gesamte Team.

Das Spiel wird angepfiffen. Etwas zu spät, aber der Pfiff ertönt. Nur wenige Minuten sind auf der Uhr abgelaufen, da scheppert es das erste Mal. Raketen steigen neben dem Stadion in die Luft. Feuerwerk brennt ab, Inter hat getroffen! Sie führen gegen den verhassten, kleineren Stadtrivalen. Schnell singen die Fans euphorisch „Segunda Divisao“ in Richtung der Gäste-Anhänger.

Kurz vor der Halbzeit dann der tiefe Schock in den Gliedmaßen. Gremio gleicht aus, Jackson hat ins eigene Tor getroffen, liegt am Boden und ist untröstlich. Ein Eigentor im brisanten Derby! Was kann es Schlimmeres geben!

Inter wackelt danach, die Fans können sie nicht stützen und lassen sie fallen. Das zweite Gegentor nach einem zu leichten Fehler, niemand singt mehr, kein vibrieren spüre ich unter meinen Füßen.

Langsam fängt sich das Team auf dem Platz, langsam fangen sich die Anhänger auf den Rängen wieder. Als der Schiedsrichter auf den Punkt von Gremio und D’Ale den Ausgleich erzielt, kennt die Arena kein Halten mehr. Niemand kann diese Masse nun noch stoppen. Das Singen, Klatschen, Springen ist zurück. Zum Sieg reicht es dennoch nicht mehr.

Der Schiedsrichter pfeift ab, wird von der Militärpolizei, wie in Brasilien üblich, in die Kabine geleitet. Es war auch die Polizei, die die Einlasskontrollen durchführte. Es war aber auch sie, die für meine Augen, kaum in und um das Stadion vertreten war. Mehr Polizei sei zu teuer, sagt mir mein Platznachbar, als ich ihn darauf anspreche.

Mehr Videos gibt es HIER!

Durch zwei schmale Ausgänge bahne ich mir nun den Weg nach draußen. Hier warten einige Polizisten mehr, die sich angeregt über das Spiel unterhalten. Außen angelangt schlängelt sich eine Welle an kleinen mobilen, improvisierten Grillständen vorbei, langsam gen Autos.

Das Spektakel ist vorbei. Übrig bleibt eine Unmenge an Müll und der frohe Blick in die Zukunft, das nächste Gre-Nal wieder in Porto Alegre im geliebten Beira-Rio spielen zu können.

Wer sind die Schuldigen bei dem Leverkusener Phantomtor?

Lange musste die Bundesliga nach dem „Treffer“ von Thomas Helmer gegen Nürnberg 1994 auf das zweite Phantomtor warten, doch am 18. Oktober war es wieder soweit. Stefan Kießling „traf“ bei 1899 Hoffenheim zum 0:2. Der Stürmer köpfte den Ball links ans Außennetz, alles geklärt, denken sich die Gastgeber, doch auf einmal jubelt Stefan Reinartz. Er lief zu Kießling, umarmte ihn und jubelte über die ausgebaute Führung.

Der vermeintliche Schütze, wusste augenscheinlich nach seinem „Tor“ bereits, dass er nicht getroffen hatte. Kieß jubelte erst nicht, obwohl der Ball ja im Tor gelegen hatte. Er schien deutlich gesehen zu haben, dass der die Kugel erst über den Umweg von der Außenseite durch ein größeres Loch ins Tor gelangte.

Was ist nun der Skandal dabei? Dass der Schiedsrichter das Tor gab? Schwer zu entscheiden, denn der Ball war im Tor. Auch wenn die Hoffenheimer Auswechselspieler sich kurz danach über das Tor beschwerten und Dr. Felix Brych das Loch sah, kann er ohne TV-Bilder nicht einfach auf Nicht-Tor entscheiden. Er hätte sich ja so nur den Benachteiligten angeschlossen, die, wie zum Beispiel auch bei unberechtigten Strafstößen, stets für ihr Recht streiten. Ohne eine zweite Schiedsrichtermeinung oder eben Bilder keine gerechte Entscheidung möglich.

Dann wären da noch die Leverkusener. Sie wären die einzigen Akteure auf dem Platz gewesen, die die richtige Entscheidung zumindest herbeiführen hätten können. Reinartz, so vermitteln es die Bilder, schien das „Tor“ richtig gesehen zu haben und jubelte schlichtweg, damit die drei Punkte auch wirklich sicher waren. Kießling selbst wurde überrumpelt von Reinartz und bekam vermittelt, ‚Junge, jubele ruhig, dann merken sie es nicht’. So zumindest der Eindruck.

Die entscheidende Szene fand dann aber wenige Minuten am Mittelkreis statt. Der „Torschütze“ und Brych sprachen kurz, wenn es nicht um das gerade erzielte „Tor“ ging, worum dann? Hier hätte Kießling, der wohl eindeutig sah, dass er nicht getroffen hatte, dem Schiedsrichter einen Hinweis geben können. Besser gesagt, hier war seine letzte Chance dazu.

Nun droht der Grüne Tisch und die Frage, was hätten die Bayer-Kicker, den Fair-Play-Gedanken im Hinterkopf, machen sollen? Reinartz’ Jubel war schon falsch, das Schweigen Kießlings ebenfalls. Die Unparteiischen hätten vielleicht genauer das Netz prüfen müssen, wenn denn zum Wiederanpfiff das Loch bereits vorhanden war.

Fair Play bleibt wichtig

Eines bleibt: Fair Play kann Spiele entscheiden, Miroslav Klose kann ein Lied davon singen. Am 30. April 2005, dem 31. Spieltag der Saison 2004/05, gab der Schiedsrichter in der Partie Werder Bremen gegen Arminia Bielefeld einen Strafstoß. Es stand 0:0 und Klose wurde in den Augen von Herbert Fandel regelwidrig vom Strafraum vom Ball getrennt. Die logische Konsequenz: Elfmeter und Gelbe Karte für den Arminen-Keeper Matthias Hein. Der Nationalstürmer jedoch gab beim Unparteiischen an, dass alles regelkonform gewesen sei und das Spiel lief ohne Verwarnung und Elfer weiter.

Auch in der vergangenen Saison glänzte Klose durch sein Fair-Play-Verhalten. Er nahm bei einem Treffer am fünften Spieltag gegen den SSC Neapel die Hand zur Hilfe. Die Neapolitaner protestierte, Klose gab zu, die Hand genommen zu haben und das Tor zählte nicht.

Beide Spiele verlor Klose und sein jeweiliges Team mit 0:3, er selbst bekam für beide Szenen unter anderem die DFB-Medaille Fair ist mehr.

Diese Medaille hätte auch Stefan Reinartz und/oder Stefan Kießling zustehen können. Doch sie blieben stumm und ließen das Spiel zu ihren Gunsten weiterlaufen.

Achja, auch mit einer Torlinientechnik, hätte man auf Fair Play setzen müssen, denn der Ball war ja im Tor. So hätte bei vorhandener Technik die Frage geheißen: Hat die Technik in diesen Sekunden versagt und es war ein Treffer oder eben doch nicht? Auch hier hätten nur die Spieler selbst Klarheit schaffen können…

Jogo Bonito im Land der Gauchos – EC Nova Petrópolis

Ein Ball, zwei Tore und ein paar Kameraden zum Spielen. Mehr braucht es nicht, um das Jogo Bonito zumindest zu zelebrieren. Nur ein wenig mehr braucht es in Nova Petrópolis in Rio Grande do Sul. Eine Stadt, 20.000 Einwohner, ein Klub in einer Bezirksklasse.

Was im Deutschen immer wieder gern als „Kreisklasse-Niveau“ bezeichnet wird, reicht in Brasilien voll und ganz aus. Der Platz des EC Nova Petropólis ist klein, der Rasen mit kleinen Hügeln übersäht. Bei meinem Besuch duftete es nach frischer Farbe, die an den Wänden und Zäunen des Vereinshauses klebte.

Am Eingang begrüßten drei Chimarrão trinkende Männer den Gast aus dem fernen Deutschland. Auf meine Frage, ob ich denn auch Fotos machen dürfe, antworteten sie zugleich mit einem freundlichen ‚Ja’. Das Gittertor wurde beiseite geschoben und ich betrat das erste Mal ein brasilianisches Fußballfeld.

Auf der linken Seite saßen ein paar Vögel, die am ungleichmäßig gewachsenen Gras knabberten, meine Begleiterin warnte mich zugleich, dass sie sehr aggressiv seien und man ihnen besser nicht zu nahe käme. Mein Weg führte mich hinüber zum Kabinentrakt. In der Mitte der Eingang zu den Umkleiden der Hausherren, links der Stand der Polizei und rechts die Räume für die Unparteiischen.

Trikots hängen über den Mauern, Müll liegt vor den Türen. Es ist alles ein wenig anders als von kleinen deutschen Klubs gewohnt. Die Kabinen dunkel, das Metall rostig und das Holz knackst. Die VIP-Lounge darüber ist mit Gittern geschützt. Daneben ragt eine längst baufällige Tribüne in den Himmel. Die Farbe bröckelt von den Steinen, der Wachhund fühlt sich hier pudelwohl.

Waren die Kabinen der Hausherren schon ein Novum für meine Augen, so sind sie vom Anblick der Gästeumkleiden nahezu geschockt. Auf der anderen Spielfeldseite, in einer Ecke steht ein kleines Haus. Hier sind die Duschen und die Räume für die jeweiligen Gäste untergebracht. Im Ausmaß und der Qualität weder mit denen der Hausherren zu vergleichen noch mit den gewohnten aus deutschen Gefilden. Hier sind die Kabinen noch dunkler, das Metall rostiger und das Holz knackst lauter.

Bei all den augenscheinlich fälligen Reparaturen sitzen die Männer am Eingang stets seelenruhig. Der Chimarrão wird wieder mit heißem Wasser aufgefüllt, die Arbeit mit der Farbe in Ruhe fortgesetzt. Die Hektik aus deutschen Vereinen gebe es nicht, meint der eine, es sei dennoch alles gut, der andere.

Recht haben sie. Alles was es zum Fußballspielen braucht, haben sie. Zwei Tore, sogar mehr Bälle und dazu noch zwei Kabinentrakte. Wild romantisch würden einige sagen, bodenständig und einfach purer Fußball meine ich.

Ach und die zwei, drei Jugendlichen, die während meines Besuches gegen den Ball getreten haben, hatten vielleicht nur brasilianisches „Kreisklasse-Niveau“, in Deutschland sehnt sich jeder noch so kleine Klub nach solchen Talenten, die im Land von Pelé vielleicht noch nicht einmal bemerkt werden…

Brasilien ackert für die WM – Englisch bleibt ein Problem

In genau 247 Tagen wird sie angepfiffen. Die Weltmeisterschaft 2014 naht in recht großen Schritten, Brasilien arbeitet und ackert an einem Fußballfest, doch bereits am Flughafen können die ersten Fans auf fast unüberwindbare Hürden treffen.

Gegen halb sechs am Morgen des 7. Oktober, die ersten Maschinen des Tages landen in Rio de Janeiro am internationalen Flughafen an. Hier erfolgt die Pass- und Zollkontrolle, wie die meistem der Reisenden, muss auch ich mein Gepäck abholen und wieder einchecken. Keine große Aufgabe, doch wenn man kein Portugiesisch oder vielleicht noch Spanisch kann, eine Hürde, die einen Europäer zum Fallen bringen kann. Am Check-In-Schalter der größten brasilianischen Fluggesellschaft TAM, versteht keiner der drei Mitarbeiter Englisch. Ohne die Hilfe einer Muttersprachlerin, die Unterstützung leistete, fänden weder ich, noch die Fans den Weg zum richtigen Flugzeug. Aber die Hilfe Einheimischer ist gewiss, sofern man sich denn verständigen kann.

WM-Begrüßung am Flughafen in Rio de Janeiro

WM-Begrüßung am Flughafen in Rio de Janeiro

Nach dem Check-In muss natürlich auch die Sicherheitsschranke erneut durchschritten werden. Ist man am mit Hängen und Würgen Check-In durchgekommen, erwartet die fußballverrückten Fans hier eine Mauer des Schweigens.

An der Reihe, antwortete die in jedem Fall freundlich lächelnde Mitarbeiterin, mit einem netten Schmunzel-Gesicht, aber ohne meine Frage, ob ich denn meinen Laptop auspacken sollte, zu beantworten. In Frankfurt wies die Mitarbeiterin kurz und knapp, aber zuerst auf Englisch, darauf hin, wie alle Sachen ausgepackt werden müssen. In Rio bekam ich ein sehr freundliches Lächeln als Anweisung. Auch hätte ich meine Taschen gar nicht lehren müssen, wie ich später erfuhr, aber auch auf diese Frage, ob ich eben denn meine Taschen lehren solle, naja, die Antwort ist bekannt…

Nett sind die Mitarbeiter in jedem Fall, immer ein Lachen im Gesicht, aber eben kein oder nur kaum englische Worte zwischen den Lippen. Manch ein Tourist wird sich hier umsehen.

Nachdem vor einigen Tagen die FIFA auch wieder lobende Worte für ein Stadion (Beira-Rio in Porto Alegre) fand, hoffe ich inständig, dass auch Englisch Einzug in den Alltag erhält. Die Prostituierten lernen es fleißig, geprüft habe ich es aber nicht…

Celtic-Coach Neil Lennon über Neymar: „Manchmal übertreibt er“

Neymar ist ein Spieler, der geliebt wird. In Brasilien, in Spanien, überall auf der Welt hat das junge Starlet seine Fans. Als er in Barcelona unterschrieb und extra dafür nach Katalonien jettete, empfingen ihn hunderte schreiende Fans.

Auf dem Spielfeld brilliert er zumeist mit grandiosen Spielzügen, die Ballbeherrschung ist herausragend, doch immer wieder zieht er auch die Kritik seiner Gegenspieler oder der gegnerischen Trainer auf sich. So auch geschehen am Dienstagabend nach dem Spiel in der Champions League bei Celtic Glasgow.

Der Trainer der Schotten merkte nach der Partie bei „ITV Sport“ an: „Ich bin mir nicht sicher, ob es einen Kontakt gab. Wenn war dieser minimal. Es hat das Spiel völlig verändert, denn es ist schon schwer genug, gegen Barcelona mit 11 Spielern zu spielen. Neymar ist ein brillanter Spieler, aber manchmal übertreibt er es ein wenig.“

Lennon spielte damit auf ein Foul seines Kapitäns Scott Brown an. Eine leichte Berührung am Rücken war vorhanden, das zeigen die Fernsehbilder. Die Reaktion des Brasilianers allerdings ist mit „normalen“ Augen betrachtet übertrieben. Brown streifte ihn mit der Fußspitze am unteren Teil des Rückens. Daraufhin schrie und wälzte sich der Offensivspieler, als ob er vom Blitz getroffen wäre.

Es ist nicht das erste Mal, dass dies vorgekommen ist. Kritiker sprechen immer wieder davon, dass Neymar sehr leicht fällt. Auch in dem Spiel am Dienstagabend ist er in der ersten Halbzeit leicht zu Boden gegangen, ohne dass eine Berührung von einem Gegenspieler vorlag. Damit verprellt er eines Tages vielleicht seine tausenden Fans in der Welt des Fußballs. Denn Ehrlichkeit zählt immer mehr. Man schaue sich nur Miroslav Klose an, der ein von ihm erzieltes Handtor in der vergangenen Saison wieder zurücknahm.