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Derby-Alarm in der Bundesliga

Das Mutter aller Derbys in Deutschland steht an. Im Revier schauen die Fans auf Samstag 15.30 Uhr. Dann heißt es wieder Königsblau gegen Schwarz-Gelb, Keller gegen Klopp oder auch Kevin Großkreutz gegen seinen Lieblingsklub…

Dieses Spiel wird alles überstrahlen und das ist auch gut so! Endlich ist ein Spiel auf der Tagesordnung, was irgendwo auch ganz Deutschland fesselt. Ähnliches birgt wohl nur das langsam wachsende deutsche Clasico zwischen Bayern und dem BVB.

Was aber viel wichtiger ist, mit einem Sieg auf Schalke, stürzen ausgerechnet die Erzrivalen Königsblau wieder in eine Krise. Und die sind in Gelsenkirchen hinter jeder Ecke zu finden! Das Spiel gegen die tapferen Löwen war mehr als glücklich, gegen Chelsea waren Boateng und Co. komplett chancenlos.

Auch wenn man immer wieder gern hört, dass es ja gar nicht so deutlich, ja sogar ein Remis drinnen war, dann haben die Schalker leider nicht das gleiche Spiel gesehen. Die Blues waren stärker, sie haben gespielt, wie sie es wollten und Dortmund kommt mit einer Euphoriewelle in die Arena, da schaudert es Jens Keller bereits jetzt!

Wenige Minuten vor Abpfiff das Spitzenspiel in der Champions-League-Gruppe geholt, nun soll der Derby-Sieg her, das hat Nuri Sahin schon nach Ende des Spiels in London gesagt. Schalke wollte eigentlich auch dort stehen, auf der Sonnenseite, auf der Siegerseite. Nun ja, so ganz funktioniert hat es nicht.

Schalke ist ein Scheinriese! Sie wollen ein großer Name sein, doch Jahr um Jahr passiert etwas, dass sie nicht dorthin gelangen, wo sie hin wollen und auch irgendwo gehören. Während sich der Rivale aus Dortmund klamm und heimlich nach oben mauserte, die Bayern in den vergangenen Jahre ärgerte, stach S04 immer mal wieder heraus, aber Ruhe ist ein Fremdwort…

Nun denn, es kommt zum Duell, aber es sind noch mehr Spiele am Wochenende. Mainz gegen Braunschweig zum Beispiel. Nicht besonders brisant auf den ersten Blick, aber auf den zweiten sieht man zwei Taktikfüchse gegeneinander spielen. Während Tuchel als Spieler unter Ralf Rangnick sicher das Eine oder Andere mitnahm, hat Torsten Lieberknecht lange mit Jürgen Klopp gespielt. Tuchel und der Löwenbändiger sind taktisch herausragend.

Auch wenn das Spiel taktisch werden zu sein scheint, wird es für Fans wohl langweilig. Für Trainer ein Augenschmaus, für Fans ein Graus.

Trainerlegende Dettmar Cramer: „Die Bayern hätten den Titel verdient“

Von Andreas Becker

Berlin. Dettmar Cramer hatte in jungen Jahren großes Glück. Kein geringerer als Sepp Herberger nahm sich der Karriere des späteren „Weltenbummlers“ an. Cramer selbst erzählt gern von seiner Anfangszeit, wie er bei den Herbergers ein- und ausging und wie ihn der erste deutsche Weltmeister-Coach förderte. Doch auch von Unstimmigkeiten in Sachen Karriereplanung berichtet Cramer. Alles in allem zählt für den heute 88-Jährigen allerdings nur eines: „Was ich im Fußball geworden bin, verdanke ich Sepp Herberger.“

Ein Held in Japan

Dettmar Cramer hat in seiner langen Karriere viel erlebt, war unter anderem Trainer beim DFB, Nationaltrainer der USA und in Saudi-Arabien und arbeitete in Japan, wo er bis heute verehrt und geliebt wird. Die Japaner rechnen ihm hoch an, dass er den Fußball in ihrem Land etabliert und in die Moderne geführt hat. In 90 Ländern lehrte er Fußball. Das brachte ihm nicht nur das Bundesverdienstkreuz und zwei Ehrenprofessuren ein, sondern er wurde von den Mohikanern und Sioux auch ehrenhalber zum Häuptling ernannt.

Titel mit dem FC Bayern

Seine sportlich erfolgreichste Zeit erlebte er jedoch beim FC Bayern München. In Deutschland war Cramer zudem bei Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen und Hertha BSC Berlin aktiv. Im Januar 1975 übernahm er bei den Bayern den Posten von Udo Lattek, der mit dem Klub 1974 zum ersten Mal den Landesmeister-Cup, dem Vorgänger der Champions League, gewonnen hatte. Keine leichte Aufgabe für Cramer, der keinen guten Start in der Liga erwischte und gleich in der Kritik stand. Allerdings hatte er mit Franz Beckenbauer einen großen Fürsprecher im Klub. „Die Ära Lattek ist vorbei, jetzt beginnt die Ära Cramer“, sagte Beckenbauer.

„Fußball-Professor“ und „Napoleon“

Die Bundesliga-Saison 1975/76 schloss Dettmar Cramer mit den Bayern „nur“ auf Platz drei ab. Im Europapokal der Landesmeister konnte er den Titel jedoch verteidigen. Im Finale siegte der FC Bayern mit 2:0 gegen Leeds United. Ein Jahr später konnte er den Erfolg sogar wiederholen (1:0 gegen AS St. Etienne). Dazu gewannen die Bayern 1976 zum ersten Mal den Weltpokal. Ein Triumph, den es bis heute so nicht mehr gegeben hat beim deutschen Rekordmeister. Für Sätze wie „Fußball ist ein Spiel aus Raum und Zeit“ bekam Cramer den Spitznamen „Fußball-Professor“. Auch „Napoleon“ wurde er gerufen, weil Beckenbauers frühere Freundin Diana Sandmann ihn im alten Münchner Olympiastadion in Napoleon-Montur ablichten ließ – seine Größe von 1,65 Meter tat sein übriges.

Schönste Zeit bei den Bayern

Da Dettmar Cramer in der Bundesliga an die europäischen Erfolge nicht anschließen konnte – Meister wurde er mit den Bayern nie -, wurde er im Dezember 1977 entlassen. Trotzdem beschreibt Cramer seine Zeit beim FC Bayern als „meine schönsten Jahre“. Und so wird die in Dortmund geborene Trainerlegende am kommenden Samstag auch den Bayern im Champions-League-Finale gegen Borussia Dortmund die Daumen drücken, wie er im Interview verriet. „Ich gratuliere beiden deutschen Mannschaften zum Erreichen des Endspiels. Ich wünsche mir und erwarte ein ideales Fußballspiel – nämlich eine Synthese von Erfolg und Schönheit für beide Mannschaften“, sagte er.

Titel nach München

„Wenn man einen Blick auf die zurückliegende Saison wirft, hätten die Bayern den Titel verdient. Der erfolgreichere Spielstil wird sich durchsetzen, aber auch Glück gehört dazu.“ Am Ende des Gesprächs schob Cramer noch den tiefgründigen Satz hinterher: „Fußball ist ein Spiegel des Lebens. Sowohl positiv als auch negativ.“ Da war er wieder der „Fußball-Professor“.

11plus3-Autor Andreas Becker (r.) mit Dettmar Cramer.

11plus3-Autor Andreas Becker (r.) mit Dettmar Cramer.