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Xavi: Das Ende eines großartigen Fußballers

Irgendwann ist es vorbei. Irgendwann geht es einfach nicht mehr. Und dann werden sie aussortiert.

So ist es in den vergangenen Jahren schon einigen prominenten Fußballprofis gegangen. In Deutschland der wohl bekannteste Fall: Michael Ballack. Wegen einer Verletzung verpasste er die WM 2010 in Südafrika. Die deutsche Elf spielte groß auf, und am Ende redete keiner mehr vom besten deutschen Spieler in den ersten zehn 2000er Jahren, der seine Karriere 2012 bei Bayer Leverkusen beendete.

Wenn man jetzt nach Brasilien schaut, trifft es einen Spanier, der wohl von der großen Bühne abtreten wird: Mittelfeldstratege Xavi. Xavi bestimmte die Erfolge der spanischen Nationalmannschaft und des FC Barcelona in den letzten Jahren. Er führte Barca zu sieben Meisterschaften, zwei Pokalsiegen und drei Triumphen in der Champions League. Mit der Nationalmannschaft wurde Xavi 2008 und 2012 Europameister, 2010 gewann er mit den Iberern in Südafrika den ersten WM-Titel in der spanischen Fußball-Geschichte. Im Jahr des großen WM-Triumphs wurde Xavi allerdings seine größte, individuelle Auszeichnung genommen: die des Weltfußballers des Jahres. Die Wahl von Lionel Messi sorgte damals nicht nur in Spanien für Unverständnis.

Das vorzeitige Aus der spanischen Mannschaft bei der WM in Brasilien ist nicht nur gelichbedeutend mit dem Ende des großartigen Tiki-Taka-Systems, es ist auch das Ende von Xavi, der nach der 1:5-Pleite gegen Holland im zweiten Spiel gegen Chile (0:2) auf die Bank musste. Eine Majestätsbeleidigung. Xavi wird wohl aus dem spanischen Team zurücktreten und gleichzeitig auch den FC Barcelona nach 23 Jahren verlassen. Die Sporttageszeitung El Mundo Deportivo berichtet, dass Xavi einen Vorvertrag bei Al Arabi/Katar unterschrieben hat. Das behauptet Al-Arabi-Coach Dan Petrescu im rumänischen Fernsehen. Xavi soll demnach acht Millionen Dollar im Jahr verdienen. Eine Summe, die seinen noch immer ansprechenden Leistungen und seinen Erfolgen, gerecht wird.

Xavi hat nicht nur den spanischen Fußballfans über die Jahre viel Freude bereitet. Seine Traumpässe und seine Traumtore werden nicht in Vergessenheit geraten.

Lionel Messi – der wohl beste Fußballer unserer Zeit

Er ist vierfacher Weltfußballer, einmal Europas Fußballer des Jahres, Spanischer Meister, Champions-League-Sieger. Und, und, und. Diese Liste der Erfolge könnte man noch einige Zeilen fortführen. Es geht um Lionel Messi. Superstar des FC Barcelona und Hoffnungsträger Argentiniens bei der WM in Brasilien, wo Messi und Co. endlich den dritten WM-Titel nach 1978 holen sollen.

Messi, das verlorene Kind

Eine große Last auf den Schultern des 169 Zentimeter großen Mannes. Doch Messi hat es über all die Jahre gelernt, sich durchzusetzen. Mit 13 Jahren ist er nur 1,40 Meter groß. Er leidet unter Wachstumsstörungen und Hänseleien. Sein Heimatklub will die Behandlung mit Wachstumshormonen nicht bezahlen, also nimmt ihn sein Vater, Jorge Messi, an die Hand und bringt ihn nach Spanien, wo er einen Vertrag beim FC Barcelona unterschreibt – auf einer Serviette.

Mit 13 Jahren verlässt er seine Heimat, um nach Spanien zu gehen. Für ein Kind nicht ganz einfach. Guillem Balague beschreibt die Szenerie eindrucksvoll in seiner neuen Biographie „Messi“: „Er machte den Eindruck eines verlorenen Kindes. Seine düstere Stimmung wollte sich (…) einfach nicht aufhellen.“ Aber er war sich auch bewusst, dass ihn jede Flugmeile von Rosario über Buenos Aires bis nach Barcelona „auch seinem Traum näher“ brachte. Seinem Traum von einer großen Fußballer-Karriere.

Guardiola dankt Messi

Guillem Balague ist eine eindrucksvolle Biographie von dem wohl besten Fußballer unserer Zeit gelungen. Er nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die Karriere Messis, zeigt Erfolge und Rückschläge auf, zu sehen sind beeindruckende Bilder. Er lässt Leute zu Wort kommen, die Lionel Messi begleitet haben. Allen voran Pep Guardiola, der seit letztem Sommer den FC Bayern München trainiert, kennt den kleinen Argentinier wohl besser als jeder andere. Über vier Jahre war er sein Trainer in Barcelona, zusammen feierten sie mehrere Meisterschaften und Pokalsiege. Guardiola sagt: „Ich kann meinen Enkelkindern erzählen: Ich habe Lionel Messi trainiert.“ Bei seinem Abschied 2012 aus Barcelona sagt er: „Danke für alles, Leo.“

Lionel Messi gilt nicht als einfacher Spieler, er ist zurückhaltend und steht nicht gern in der Öffentlichkeit. Während sich andere Superstars wie sein größter Widersacher, Cristiano Ronaldo, und sein Mitspieler in Barcelona, Neymar, gern überall präsentieren und vor Kamers posieren, wählt Messi oft den Gang durch die Hintertür. Er braucht das große Brimborium nicht. Lionel Messi will nur Fußball spielen. Und das macht er sehr erfolgreich.

Den Ball übergibt er seinem Sohn

Was man oft vergisst: Lionel Messi ist erst 26, hat einen Großteil seiner Karriere noch vor sich. Trotzdem wirft Balague schon einmal einen Blick voraus. Im November 2012 wird Messi zum ersten Mal Vater, sein Sohn Thiago kommt zur Welt. Und er nimmt die Rolle gleich an. „Jetzt ist er derjenige, den alle knuddeln, und ich lerne, ein Vater zu sein“, erzählt Messi in einem Interview. Balague wirft schon mal einen Blick voraus: „Eines Tages wird er mit Thiago in den Park gehen, um Fußball mit ihm zu spielen. Wenn Thiago zehn ist, ist Leo 37. Und an ihn wird er den Ball abgeben.“

Ein schöner Satz, eine schöne Vorstellung. Aber soweit wollen die Fußballfans dann doch noch nicht denken. Erst einmal freuen sie sich auf Lionel Messi bei der WM in Brasilien. Bei der Weltfußballer-Gala 2012 sagte Messi: „Jetzt möchte ich noch besser werden, mehr Titel gewinnen, damit ich noch mehr schöne Erinnerungen habe. Ich möchte weiterhin Dinge erreichen, an die ich mich immer erinnern werde.“ Die anderen 31 Mannschaften sollten sich also lieber in Acht nehmen.

Weltfußballer Lionel Messi

Weltfußballer Lionel Messi

Edel Books,  Seiten 560 (20 Bilder), Format (cm) 21.5 x 14.5 x 4, ISBN 9783841902696, Autor Guillem Balagué, Ladenpreis 24,95 Euro

 

Der 16.11. – Weltstar Lionel Messi wird geboren

Heute ist der 16. November. Im Jahr 1893 wurde an diesem Tag ein Vorgängerverein von Sparta Prag gegründet, 1974 wurde an einem 16.11. Paul Scholes geboren und 1946 Wolfgang Kleff, Klaus Fischer erzielte an diesem Novembertag im Länderspiel gegen die Schweiz 1977 sein Jahrhunderttor per Fallrückzieher und vor genau zehn Jahren wurde ebenfalls ein Weltstar geboren.

Am 16. November 2003 feierte Lionel Messi seine Geburt in der ersten Mannschaft des FC Barcelona. „Es ist ein sehr wichtiges Datum für mich“, sagt der Offensivkünstler in einem Erinnerungsvideo heute über jenen Tag, „denn damals habe ich mir meinen Kindheitstraum erfüllen können. Es war ein sehr glücklicher Tag für mich.“

Es war ein Debüt, das schon einen Meilenstein für die späte Karriere legte, denn just in jener Saison spielte er für fünf Mannschaften der Katalanen! Er spielte eine Partie in der B-Jugend (ein Tor) und erzielte für die A-Junioren in 14 Spielen 21 Tore. Als 16-Jähriger berief ihn Frank Rijkard schließlich in den Kader für ein Freundschaftsspiel beim FC Porto.

Der Koordinator von La Masia, Josep Colomer, überbrachte Messi damals die glückliche Botschaft. „Wir haben mit der A-Jugend trainiert. Als wir fertig waren, kam Colomer zu mir“, erinnert sich Messi noch an jedes Detail, „er sagte mir, dass ich mit den Profis reisen werde und ich einfach das Spiel genießen solle. Wenn ich zurückkomme, solle ich mich aber auf die A-Jugend konzentrieren.“

Die A-Jugend war nach der Rückkehr des Wunderknaben aber nur noch ein Teil seiner Heimat. Um die fünf Mannschaften auch voll zu machen, kickte er nach seinem Einsatz für die A-Mannschaft in der Saison 2003/2004 auch noch für die B- und C-Elf der Katalanen. Die Karriere begann in jenen Novembertagen rasant und führte zu unzähligen Titeln.

Den Menschen verändert haben sie aber nicht. Wenn heute im Camp Nou oder in einem anderen Stadion dieser Welt Lionel Messi aufläuft, ist er im Geiste noch immer der gleiche Junge wie damals in Porto an jenem 16. November 2003. „Ich bin der Selbe“, sagt der Weltstar am 16. November 2013 von sich.

Pep Guardiola – „Der begehrteste Trainer der Welt“

Am 24. Juli 2013 begann beim FC Bayern München eine neue Zeitrechnung. Klar, etwas Ähnliches wurde auch geschrieben, als Jürgen Klinsmann oder Louis van Gaal das Traineramt beim deutschen Rekordmeister übernahmen. Aber die Ankunft von Pep Guadriola in München wurde gefeiert und zelebriert – so etwas hatte es selbst bei den Bayern noch nicht gegeben.

Man kann wohl von der größten und medienwirksamsten Presseveranstaltung in der Geschichte des Klubs sprechen. Der erste Auftritt von Guardiola lockte mehr als 200 internationale Journalisten in die Münchener Allianz Arena, Kamerateams sendeten Live-Bilder in die ganze Welt hinaus. Und was machte Pep? Er setzte sich auf seinen Platz, locker und entspannt grüßte er die Runde: „Guten Tag, grüß Gott, meine Damen und Herren.“

Der ehemalige Weltklassespieler hatte angekündigt, seine erste Pressekonferenz und das erste Training in Deutsch halten zu wollen – und das tat er. Der Einstieg in seinen neuen Job hätte trotzdem leichter sein können, schließlich hatte sein Vorgänger, Jupp Heynckes, gerade erst die erfolgreichste Saison des FC Bayern mit dem Triple abgeschlossen. Aber Pep Guardiola wäre nicht Pep Guardiola, wenn er die Herausforderung nicht sofort angenommen hätte. Er wollte nur zu den Bayern – trotz Millionen-Offerten aus England und Italien.

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„Guardiola – Der Fußball-Philosoph“, 256 Seiten, 14,90 Euro, ISBN: 978-3-7307-0042-6

Und der Erfolg in den ersten Wochen gibt ihm Recht. Nach leichten Startschwierigkeiten, hat er den Bayern seine Art Fußball spielen zu wollen eingeimpft. Wie schon in der letzten Saison dominieren sie in allen Wettbewerben. Die geäußerte Verwunderung und Kritik, unter anderem am verlorenen Supercup-Finale gegen Borussia Dortmund oder die Verschiebung Philipp Lahms von der rechten Abwehrseite ins defensive Mittelfeld, ist längst verpufft. Pep Guardiola hat sich von alledem nicht ablenken lassen, er verfolgt konsequent seinen Weg.

Doch wer ist eigentlich Josep „Pep“ Guardiola i Sala? Was zeichnet ihn aus? Wie erklären sich seine Erfolge? Dietrich Schulze-Marmeling hat den Weg des „begehrtesten Trainers der Welt“ genau verfolgt und nun in der Biographie „Guardiola – Der Fußball-Philiosoph“ aufgeschrieben. Er erzählt, wie Guardiola zum Strategen des Dream-Teams in Barcelona wurde, von Reibereien mit Louis van Gaal und von seinem Weg zum ersten „Sextuple“-Trainer.

Dietrich Schulze-Marmeling zeichnet ein genaues Bild von Guardiola und seinem Weg vom Weltklasse-Spieler zum Weltklasse-Trainer. Den Weg eines – trotz seiner vielen Erfolge – bescheidenen Mannes, der einmal auf die Frage „Macht Pep Guardiola große Mannschaften oder machen große Mannschaften Pep Guardiola?“ antwortete: „Mein Verdienst ist nur, dass ich gute Spieler habe. Sucht bitte keine anderen Erklärungen.“

Manchester City kann Europa und Dortmund nicht mehr!? – Obacht vor Real und Barca

Der erste Spieltag der Champions League ist geschafft. Das Warten des Sommers fand am Dienstag- und Mittwochabend endlich ein Ende und was bleibt? Zwei deutsche Mannschaften sind gut gestartet, zwei erlebten einen bitteren Auftakt, mit den spanischen Mannschaften muss man rechnen und der FC Basel schockt Jose Mourinho.

Wenn der Champions-League-Finalist des Vorjahres durch die Stadien Europas reist, dann herrscht ein gewisser Respekt, eine Ehrfurcht. So auch in Neapel, wenn doch der Glanz alter Tage noch immer an jeder Ecke zu sehen und zu spüren ist. Diego Maradona ist noch immer überall. Und die stärkste Napoli-Elf seit dem argentinischen Wunderkind ärgerte Borussia Dortmund.

Alles gegen Dortmund

„Hat man Scheiße am Fuß, hat man Scheiße am Fuß“, dieses Sprichwort gehört eigentlich nicht in einen Text, aber es trifft den Abend in Neapel auf den Punkt. Neven Subotic wurde draußen behandelt, kam wieder rein, die Zuordnung stimmte nicht und prompt folgte das Tor. Jürgen Klopp, gewohnt emotional, hatte seinen Schuldigen schnell gefunden und fraß den Vierten Offiziellen fast bei lebendigem Laib. So verdiente er sich seinen Tribünenplatz. Kurz vor der Halbzeitpause flog auch noch Roman Weidenfeller wegen eines Handspiels außerhalb des Strafraums vom Platz.

Schlimmer geht’s nimmer? Fast, Neapel machte anschließend ein Tor, Dortmund schaffte noch in gewohnter kämpferischer Manier zum Ende den Anschluss. „Bis zur Halbzeit war es eine Fünf. Da war alles gegen uns“, sagte ein sichtlich geschockter Nuri Sahin im Nachgang des Spiels bei Sky. Übeltäter Klopp im ZDF: „Ich habe mich wie ein Affe aufgeführt. Es ist allein meine Schuld, ich bin zu weit gegangen.“ Nun dürfen sie sich bei Nürnberg den Frust von der Seele ballern. Da passt es, dass Klopp als BVB-Coach im Frankland noch nie verloren hat…

Leverkusen mit Lehrstunde im Old Trafford

Ein anderer Kandidat für Krisen dagegen gab sich keine Blöße. Sicher und standesgemäß spielten die Schalker Steaua Bukarest an die Wand, siegten 3:0, die Königsblaue Fanseele ist frohen Mutes für die kommenden Wochen mit Bundesliga, DFB-Pokal und wieder Champions League. Ebenso der FC Bayern, der locker flockig und eines Triple-Siegers würdig ZSKA Moskau 3:0 zurück in die russische Hauptstadt schickte.

Eine Lehrstunde bekam auch Sami Hyypiä im „Theater der Träume“ verpasst. 4:2 siegte Manchester United gegen den ehemaligen Liverpooler und heutigen Bayer-Coach. „Die Überzeugung beim letzten Zug, beim Abschluss ist sehr wichtig, ohne kannst du kein Tor machen. Das hat uns ein bisschen gefehlt heute. Wir haben dadurch letztlich verdient verloren“, so der 39-jährige Finne auf der Pressekonferenz nach dem Spiel.

Real Madrid-Fans

Real Madrid-Fans

Basel überrascht – Messi teilt aus

Dass sich in England aber auch Fußballwunder immer wieder blicken lassen sah Jose Mourinho an der Stamford Bridge. Chelsea wolle vor allem die Gruppenphase überstehen, meinte „The Special One“ vor Beginn der Vorrunde. Die Furcht des Portugiesen kam mit Schweizer Schritten nach London. Basel ackerte und kämpfte sich zweimal vor das Tor. Genau das reichte zum 2:1-Auswärtssieg und zum „Shocked Happy One“.

Was bleibt noch vom Abend? Man muss mit den spanischen Teams rechnen! Real Madrid ziegte Galatasaray wo der Nagel hängt. 6:1 in Istanbul, wo sie vor wenigen Monaten noch 3:2 verloren, Atletico Madrid 3:1 gegen Hulk und Zenit St. Petersburg und der FC Messilona ist zurück in Europas Eliteklasse. Ein Dreierpack des Argentiniers und am Ende 4:0 gegen Ajax Amsterdam.

Auf einen tollen und vor allem spannenden zweiten Spieltag in der Champions League in knapp zwei Wochen!

Gerardo Martino – Newell’s lebende Legende ist der neue Mann beim FC Barcelona

Der Schock in Barcelona war nicht nur in Lionel Messis Gesicht zu sehen. Sämtliche Profis nahmen am vergangenen Freitag an der kurzfristig anberaumten Pressekonferenz teil.

Präsident Sandro Rosell verkündete schließlich jene Nachricht, die er „nicht wirklich wollte“: „Nach anstrengenden Tests hinsichtlich der gesundheitlichen Situation von Tito hat sich ergeben, dass er sich weiterer Behandlungen unterziehen muss, die es zeitlich nicht mehr zulassen, dass er auf der Trainerbank sitzt.“ Die Überraschung im Fußball-Spanien war, leider, perfekt.

Nahezu ebenso groß war die Überraschung des neuen Trainers im Camp Nou. Gerardo Martino, genannt Tata, wird die Mannschaft um die Superstars Lionel Messi und Neymar zukünftig führen.

Ein „Namenloser“ für die Weltstars? Nichts Neues bei Barca. Auch ein Frank Rijkaard hatte „nur“ als Spieler Erfolg als er auf die Trainerbank der Katalanen Platz nahm. Das Gleiche gilt für Pep Guardiola. Eine erfolgreiche Zeit mit Barcas zweiter Mannschaft reichte aus. Bei beiden „Wagnissen“ wurden die Verantwortlichen mit Titeln beschenkt.

„Ich kenne Tata nicht sehr gut“, so Vereinslegende Johan Cruyff dem Fernsehsender El 9. „Wie auch immer, Rijkaard und Guardiola gewannen keine Titel, bevor sie bei Barcelona begonnen haben. Am Ende waren sie sehr erfolgreich. Ich habe keine Bedenken, dass Martino den gleichen Weg gehen wird.“

Und im Unterschied zu Rijkaard und Guardiola feierte Martino schon einige Erfolge als Übungsleiter.

Als Spieler wurde er bei den Newell’s Old Boys zur Legende, nein zu DER Legende. In über 500 Partien führte er den Klub aus Rosario zu drei Meisterschaften. Als Trainer wiederholte er das Kunststück in der gerade abgelaufenen Saison. Zuvor wurde er in Paraguay innerhalb von fünf Jahren viermal Landesmeister: Mit Libertad 2002, 2003, 2006 und dazwischen 2004 mit Cerro Porteño. Die Landesauswahl Paraguays führte er bis ins Viertelfinale der WM 2010, wo die Guaraníes umstritten und denkbar knapp 0:1 an Spanien scheiterten. Nach der Copa-América-Finalniederlage trat Tata 2011 überraschend zurück und ging erstmals als Coach zu den Old Boys.

Hier ließ er in der Folgezeit, wie auch Guardiola bei Barcelona, ein ungemein offensives 4-3-3 spielen. Wie auch in der Entwicklung des jungen Trainers Guardiola, spielte bei Martino der ehemalige Coach von Athletic Bilbao, Marcelo Bielsa eine tragende Rolle.

Martino war unter seinem Landsmann Kapitän und Schlüsselfigur bei den Newell’s Old Boys. Zusammen feierten sie die erfolgreichste Zeit des Klubs. In nur zwei Jahren, mit zwei Landesmeistertiteln und einem Finaleinzug in der Copa Libertadores, prägte Bielsa zwischen 1990 und 1992 den jungen Mittelfeldspieler.

Sein Mentor, ebenfalls in Rosario geboren, setzte auf eine enorme Spielgeschwindigkeit, technisch herausragende Ballannahmen, hohen Ballbesitz und ebenso hohes Pressing, all das sah man damals bei den Old Boys wie auch knapp zwanzig Jahre später bei Peps Barcelona oder bei Martinos Old Boys. Guardiola adelte seinen guten Freund Bielsa später als „den besten Trainer des Planeten“.

„El Loco“ wiederum adelte Guardiolas Nachnachfolger bei Barca schon früh: „Ich trainierte ihn. Aber ich lernte von ihm durch seine Spielweise, seine Arbeit als Kapitän und Anführer… ein kompletter, bewundernswerter Mensch.“

Die Katalanen haben überraschend einen Externen verpflichtet, aber eigentlich auch nicht. Martino wird ohne Frage einen offensiven Fußball spielen lassen. Tatas Idee vom Fußball ist viel näher am System „Barcelona“ als man auf den ersten Blick denken möchte.

FC Barcelona: Habemus Neymar oder so

Nun ist es also in trockenen Tüchern. Neymar verlässt seine Heimat und geht zum FC Barcelona. Ein Schritt nicht ganz ohne Risiken – für beide Seiten.

KOMMENTAR
Von Fabian Biastoch

Es ist nun vollbracht. Habemus Neymar oder so. Der begehrteste Jüngling der Welt hat eine neue Heimat gefunden. Neymar wird für geschätzte 28 Millionen Euro zum FC Barcelona wechseln. Zusammen mit Lionel Messi auf dem Platz stehen und möglichst viele Tore schießen.

Es ist eine Millioneninvestition, die hochspekulativ ist. Ohne Frage ist Neymar ein begnadeter Fußballer. Seine Fähigkeiten den Ball zu führen, zu spielen sind unbestritten. Aber bildet er auch mit Lionel Messi ein so kongeniales Duo, wie es scheinbar geplant ist?

Gute Frage, nächste Frage. Die Zeit wird sie beantworten, nur eines ist jetzt schon sicher. Um überhaupt ein ganz Großer werden zu können, musste er nach Europa wechseln. Dafür ist die Serie A noch zu schlecht. Auch Messi wäre nicht der zurzeit beste Fußballer der Welt, würde er in Argentinien oder Südamerika spielen.

Auf ähnlichen Spuren bewegte sich auch einmal ein gewisser Robinho. Für viel Geld ging er ebenfalls vom FC Santos nach Spanien. Auf der einen Seite musste er mit Verletzungen kämpfen, doch Weltfußballer war er nie. Es war „La Pulga“ und eben nicht Robinho, obwohl dem Brasilianer genau diese Zukunft vorhergesagt wurde.

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Der Wechsel kommt ein Jahr zu früh

Neymar sollte erst nach der Heim-Weltmeisterschaft 2014 wechseln. Nun beschreitet er den ihm vorgezeichneten Weg ein Jahr früher. Er kommt bei Barca in eine funktionierende Mannschaft, ja, in einen funktionierenden Verein, der eine ganz spezielle Philosophie lebt. Daran wird sich Neymar gewöhnen müssen. Die Geschichte hat gezeigt, dass es für La-Masia-Fremde eine Weile gedauert hat sich einzuleben. Auch Neymar wird kaum vom ersten Tage an zu 100 Prozent ein Katalane sein können.

In diesem Sommer und im Jahr danach hat Neymar Zeit, zu zeigen, dass er wirklich ein großer Spieler ist oder besser gesagt auf diesem Weg dorthin ist. Bei Olympia 2012 verpasste er die Chance. Immerhin ist die Sprachbarriere und das Lebensgefühl in Barcelona nicht komplett anders, der Fußball aber schon.

Man möge sich nur vorstellen, er sitzt auf der Bank und bekommt keine Spielpraxis. Spieler ohne Einsätze fahren nicht zu großen Turnieren.

„Dein Kampf ist unsere Stärke“

„Dein Kampf ist unsere Stärke“, diese Worte wählte Tito Vilanova bei der Mannschaftspräsentation des FC Barcelona im vergangenen August. Er meinte damit die Situation von Eric Abidal, der erst eine Krebsbehandlung überstehen musste und sich dann auch noch einer Lebertransplantation unterziehen musste.

Aber nun ist der Franzose zurück. Am Samstagabend gegen 23.25 Uhr nahm er im Camp Nou neben dem vierten Offiziellen Aufstellung. Das Stadion bebte, applaudierte, kein Zuschauer hielt es mehr auf den Sitzen aus. Die Auswechselung von Gerard Pique in der 70. Minute und die Hereinnahme von Eric Abidal, ein Moment für die Geschichtsbücher des Fußballs.

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Frenetischer Jubel im Camp Nou

Jede Ballberührung, jede Aktion wurde von den Fans mit frenetischem Jubel bedacht, auf einem Plakat war zu lesen: „Der Traum mit Abidal ins Wembley zu fahren lebt wieder!“ Emotionen pur im Camp Nou! Jordi Roura, Assistenztrainer von Braca sagte nach dem Spiel auf der Pressekonferenz: „Abidals Rückkehr ist ein wichtiger Moment für die gesamte Mannschaft.“

Abidal, wenn er wieder vollkommen fit ist, kann der lädierten Defensive von Barcelona ungemein helfen. Javier Mascherano, Carles Puyol, Adriano fehlen verletzt oder angeschlagen, hinzu kommt noch, dass Martin Montoya nicht überzeugen konnte. Zwar brannten Cesc Fabregas und Alexis Sanchez ein Offensivfeuerwerk ab, doch die Katalanen offenbarten in der Defensive immense Schwächen.

Mit langen Bällen, hohen Flanken kamen sie nicht sehr gut zu recht. Durch die Harmlosigkeit der Gäste aus Mallorca, entstanden daraus keine Tore, doch Mannschaften wie Paris Saint-Germain oder Bayern München hätten solche Chancen eiskalt genutzt.

Mit Abidal kommt nun ein Leistungsträger langsam wieder in die Stammelf zurück. Er kann nach dem Champions-League-Sieg 2011 erneut im Wembley den Pokal in die Höhe stemmen und seinem Team helfen.