Advertisements

Blog-Archive

Sammer lobt RB Leipzig

„Ein paar Traditionalisten werden wieder rumschreien und weinen, aber das ist nicht in Ordnung. Wenn es Lok und Chemie Leipzig nach der Wende nicht geschafft haben, ihre Kraft im Interesse des Fußballs vor Ort zu bündeln – dann gibt es immer einen lachenden Dritten.“ (Bayern-Sportchef Matthias Sammer gegenüber dem NDR-Info-Radio)

Advertisements

Sinn oder Unsinn beim FC Bayen? Alaba, Bernat – und jetzt noch Rodriguez?

Laut Schweizer Zeitung „Blick“ sollen die Bayern an Ricardo Rodriguez (22) interessiert sein. Der Linksverteidiger soll ein Wunschspieler von Bayern-Trainer Pep Guardiola (43) sein. Rodriguez gegenüber dem „Blick“: „Schön zu hören. Aber ich konzentriere mich auf die nächsten Spiele mit Wolfsburg. Um alles andere kümmert sich mein Management.“

In Wolfsburg hoffen sie, ihren Star-Spieler halten zu können. Der Kontrakt des Linksverteidigers (bis 2016) soll unbedingt verlängert werden. Trainer Dieter Hecking (50): „Rici ist der beste Linksverteidiger der Bundesliga. Er ist im Moment sogar besser als Münchens David Alaba – weil Rici mehr Tore macht!“​ Hecking erklärte zudem, er wisse, „der Manager sei da in Gesprächen“. Rodriguez dementierte das allerdings: „Davon weiß ich nichts. Ich warte auch nicht auf Allofs“.

Unstimmigkeiten beim VfL. Wie geht es weiter?

Der Gehalts-Poker hat begonnen. Gespräche hin, Gespräche her. Klar ist: eine Vertragsverlängerung des Schweizer Nationalspielers wird schwer – und würde teuer werden. VfL-Boss Klaus Allofs (57) erklärt: „Ich will da keine Spekulationen öffentlich machen. Ich werde in Ruhe mit Ricardo sprechen. Er hat ja auch noch bis 2016 Vertrag.“ Und weiter: „Man darf nicht nach jedem guten Spiel gleich nach Vertrags-Verlängerung rufen.“ Fakt ist: In dieser Saison kommt Rodriguez schon auf 3 Tore in 6 Bundesliga-Spielen, zudem schoss er das einzige Tor in der Europa League gegen Everton (1:4).

Will Wolfsburg mit Rodriguez verlängern, müsste dessen derzeitiges Gehalt von ca. 2 Mio Euro wohl mindestens verdoppelt werden. Dazu würde eine hohe Ablöse kommen (Marktwert laut „transfermarkt.de“ bei 28 Mio Euro).

Doch braucht Bayern Rodriguez? Zum einen ist da Alaba und im Sommer kam auch noch Juan Bernat (21) vom FC Valencia für 10 Mio Euro für die Position des Linksverteidigers.

Ottmar Hitzfeld: Ein Trainer verabschiedet sich von der großen Bühne

Ein Welt-Trainer verabschiedet sich von der Fußballbühne!

Das Achtelfinal-Aus seiner Schweizer bei der WM in Brasilien gegen Argentinien (0:1) war das letzte Spiel für Ottmar Hitzfeld (65). Nach acht Jahren als Nationaltrainer macht ein Großer der Trainerzunft endgültig Schluss. Hitzfelds Entschluss steht, eine Rückkehr auf die Trainerbank wird es nicht geben: „Der Trainerberuf ist beendet. Ich bin stolz auf meine Laufbahn.“ Und weiter: „In ihr wurde ich auch vom Glück begünstigt. Es war mir eine große Ehre, als halber Schweizer zum Schluss noch einmal für die Schweiz tätig zu sein. Und ich kann mich mit Stolz und voller Emotionen verabschieden.“

Über Dortmund zum FC Bayern

Die Karriere des zweimaligen Welttrainers (1997, 2001) begann in den 1980er Jahren. Nach seiner ersten Station 1983 beim SC Zug führte ihn sein Weg über den FC Aarau zu Grasshopper Zürich, wo er zwei Schweizer Meisterschaften feierte. 1991 wagte Hitzfeld den Sprung nach Deutschland zum Ruhrpott-Riesen Borussia Dortmund. In seiner ersten Saison wurde er gleich Vize-Meister, baute eine starke Mannschaft über die Jahre zusammen. Mit Star-Spielern wie Andreas Möller, Matthias Sammer, Jürgen Kohler und Karl-Heinz Riedle gewann Dortmund zwei Meisterschaften (1995/1996) und holte unter Hitzfeld 1997 im Finale gegen Juventus Turin (3:1) den Champions-League-Titel. 1998 wechselte Ottmar zum FC Bayern und bestimmte ein Jahrzehnt lang den deutschen und auch ein Stück weit den europäischen Fußball (von 1998-2004 und 2007-2008).

Die Erfolge: Sieben Meistertitel, drei Pokal-Siege, ein Champions-League-Titel 2001 sowie Weltpokalsieger. Nach insgesamt sieben Jahren beim FC Bayern wechselte Hitzfeld zum Schweizer Verband. Die Reaktionen auf seinen jetzigen Rücktritt waren in der Schweiz überragend. Die Boulevard-Zeitung „Blick” schrieb „Danke, GOTTmar Hitzfeld”. Der „Tages-Anzeiger” meint: „So gut, gegen einen solchen Gegner, war vielleicht noch nie eine Schweizer Nationalmannschaft.” Gemeint war das 0:1 gegen Argentinien und das bittere Ausscheiden kurz vor einem möglichen Elfmeterschießen. Hitzefeld: „Allein in den letzten drei Minuten habe ich noch mal alles erlebt, was im Trainerleben möglich ist.“

„Wir werden ihn alle vermissen“

Und weiter: „Erst den Schock des 0:1, dann unsere Reaktion, ein Fallrückzieher unseres Torwarts im gegnerischen Strafraum, ein Pfostenschuss. Solche Emotionen erlebt man nur im Fußball. Deshalb lieben wir alle den Fußball.” Auch Hitzfelds Spieler waren im Angesicht des Abschieds gerührt. Gelson Fernandes: „Ich wünsche ihm alles Beste für die Zukunft. Er ist nicht nur ein großer Trainer, sondern auch ein großer Mensch.” Wolfsburgs Ricardo Rodríguez: „Wir werden ihn alle vermissen, er war ein großer Trainer.“

Lage der Liga: Hertha überrascht in der Bundesliga nicht nur die Bayern

„Glückwunsch, Jos! Ihr wart absolut und überhaupt die beste Mannschaft, gegen die wir gespielt haben.“ Das sagte Bayerns Trainer Pep Guardiola nach dem 3:2-Sieg des deutschen Rekordmeisters gegen Hertha BSC. Von allen Seiten bekamen die Berliner für ihren Auftritt in München Lob; allen voran Trainer Jos Luhukay. Auch Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge hatte den Niederländer vor dem Spiel gelobt. „Die Hertha ist bis dato die positive Überraschung der Bundesligasaison, eine Mannschaft, die sehr gut aufgetreten ist. Ich glaube, das liegt vor allem an dem Trainer, den sie haben, der einen sehr guten Job macht, der sehr gut zur Mannschaft passt“, sagte er.

Hertha ist in der Bundesliga schneller angekommen, als vor der Saison anzunehmen war. Luhukay war optimistisch. Man sei nicht schlechter als sieben oder acht andere Mannschaften in der Liga, ließ er wissen. Dass die Berliner aber nach zehn Spieltagen mit 15 Punkten (von 30 möglichen) auf Tabellenplatz fünf stehen, war nicht zu erwarten. Erst drei Niederlagen, dazu hat Hertha nach Bayern, Dortmund und Leverkusen die wenigsten Gegentore kassiert. „Wir haben uns alles hart verdient. Wir stehen defensiv stabil, können unsere Gegner unter Druck setzen. Darauf können wir stolz sein“, sagte Luhukay.

Die Stimmung im Verein ist gut, die Fans zufrieden und Manager Michael Preetz wurde mit einer Vertragsverlängerung bis 2017 belohnt. Bei Hertha läuft´s. Es ist noch gar nicht so lange her, da hatten die Berliner viele Sympathien verspielt und fanden sich einmal mehr in der Zweiten Liga wieder. Die ständigen Trainerwechsel, das Skandalspiel gegen Düsseldorf und die darauf folgenden Gerichtsverhandlungen – viel schlechter hätte die Außenwirkung des Klubs nicht sein können. Mit der Verpflichtung von Luhukay gelang Manager Preetz der größte Schachzug in seiner Funktionärskarriere. Der Niederländer schaffte es mit seinem Amtsantritt positive Stimmung in Berlin zu verbreiten. Am Ende der Zweitliga-Saison hatte Hertha die Zweitliga-Meisterschaft gewonnen, mit 76 Zählern einen neuen Punkterekord aufgestellt.

Und nun dieser famose Start in die Bundesliga-Saison. Luhukay schafft es, seine Spieler bei Laune zu halten, auch wenn sich einer der etablierten Kräfte mal auf der Ersatzbank wiederfindet. Die Berliner sind topfit, was sich besonders in der Schlussviertelstunde bisher mehr als einmal bemerkbar machte, wenn seine Spieler mehr liefen als der Gegner. In München lief Hertha insgesamt 129 Kilometer, zwölf mehr als die Bayern. Auch die Zweikampf-Bilanz sprach für die Luhukay-Elf (53 Prozent gewonnene Zweikämpfe). Und so soll es weitergehen. Nach der Bayern-Partie sagte Jos Luhukay Richtung Winterpause (noch sieben Spiele): „Es sind fünf Zähler bis zur 20-Punkte-Marke. Wir wollen aber vielleicht noch ein paar mehr.“

Die Berliner Fans sind gespannt, was noch alles möglich ist. Die Erfahrungen der letzten Jahren haben aber einen Großteil gelehrt, nicht zu schnell in Euphorie zu verfallen. Das Vertrauen in Mannschaft und Trainer ist jedenfalls groß. Am Wochenende erwartet Hertha im heimischen Olympiastadion Schalke 04 – den bei den Fans nicht gerade beliebten Tabellennachbarn (Platz sieben). Ein Sieg würde die Euphorie weiter steigern. Und was kommt dann? „Respekt. Gegen die werden noch andere Probleme kriegen“, sagte Bayerns Thomas Müller.

FC Bayern holt Thiago Alcantara – und nun?

Das ging jetzt aber fix. Innerhalb von nur vier Tagen hat der FC Bayern München die Verpflichtung von Thiago Alcantara perfekt gemacht. Die Ablösesumme von 20 Millionen Euro (plus 5 Millionen Erfolgsaufschlag) erscheint in den Zeiten der realitätsfernen Ablösesummen als Schnäppchen.

Thiago wurde vor knapp einem Monat U-21-Europameister mit Spanien und wurde zum besten Spieler des Turniers gewählt. Das lässt aufhorchen. Beim FC Barcelona galt er als Nachfolger von Xavi, nun wird er dem FC Bayern viel Freude bereiten. Pep Guardiola bekommt seinen Wunschspieler und wird ihn wohl kaum auf die Bank setzen. Was heißt das für die etablierten Münchner?

Guardiola sagte, Thiago kann eigentlich jede Position besetzen, wird mit großer Wahrscheinlichkeit aber die Sechserposition besetzen. Wer muss weichen? Im 4-1-4-1-System, das Guardiola favorisiert, ist nur ein Sechser vorgesehen, also nur ein Platz frei. Wird Bayern noch einen Spieler abgeben? Ganz ausschließen kann man das wohl nicht.

Natürlich wollen die Bayern mit einem starken Kader in die neue Saison gehen, aber ob sich zum Beispiel Toni Kroos und Luiz Gustavo mit einer wahrscheinlichen Reservistenrolle zufrieden geben und sich ruhig verhalten? Talente wie Emre Can werden jetzt auf jeden Fall umdenken, ein Ausleihgeschäft wäre für beide Seiten von Vorteil.

So könnte der FC Bayern spielen:

Neuer – Lahm, Dante, Martinez , Alaba – THIAGO – Robben, Müller, Schweinsteiger, Ribery – Götze

(ab)

„Weltenbummler“ Lutz Pfannenstiel: „Der BVB hat eine große Chance, den Bayern die Saison zu verderben“

INTERVIEW
Von Andreas Becker

Berlin. Lutz Pfannenstiel ist die Begeisterung immer noch anzumerken. Auf sechs Kontinenten war es als Spieler und Trainer aktiv. Seine schönsten Erinnerungen hat er dabei an Brasilien, dem Land, das im kommenden Jahr die Fußball-Weltmeisterschaft austragen wird.

In den höchsten Spielklassen Deutschlands war Pfannenstiel nie aktiv, seit etwas mehr als einem Jahr arbeitet er aber als Scout für 1899 Hoffenheim. Über diesen Job, seine bewegte Karriere und die Erfahrungen als „Weltenbummler“ und das deutsche Champions-League-Finale zwischen Bayern München und Borussia Dortmund sprach er in unserem Interview.

Herr Pfannenstiel, Sie sind als Weltenbummler bekannt. Wo war es am schönsten?

Lutz Pfannenstiel: Das ist eine schwierige Frage. Da würde ich zwischen sportlichem und normalem Leben unterscheiden. Brasilien war sowohl sportlich als auch kulturell eine tolle Geschichte. Für mich als Fußballer war es eine große Ehre, in Brasilien spielen zu dürfen. Es gibt nur wenige Europäer, die das Glück gehabt haben, dort Profi zu sein. Das Leben generell in Brasilien ist halt super. Dann war auch Vancouver vom Lifestyle her eine tolle Geschichte. Emotional hängt auch viel an England, Norwegen und Neuseeland. Brasilien könnte man aber als Nummer eins nennen.

Was war denn das Besondere am Fußball in Brasilien?

Lutz Pfannenstiel: Die Stadien waren damals teilweise alte Burgen, da kann man nicht von modernen Arenen sprechen. Aber die Stimmung im Stadion und das ganze Drumherum ist so etwas wie eine Religion, der Fußball bedeutet den Leuten noch mehr als zum Beispiel in Deutschland. Der Fußball ist für die Brasilianer die Liebe des Lebens. Es war emotional eine tolle Geschichte, das aufsaugen zu dürfen. Ein Höhepunkt war ohne Zweifel eines meiner ersten Spiele im legendären Maracana.

Wie sehr freuen Sie sich auf die Weltmeisterschaft nächstes Jahr in Brasilien?

Lutz Pfannenstiel: Die WM ist natürlich für mich etwas Besonderes, weil ich bisher der einzige Deutsche war, der dort als Profi aktiv war. Ich werde wieder viel für das Fernsehen machen, werde auch schon vom Confed-Cup berichten. Bis nächstes Jahr wird Brasilien eines meiner Hauptdomizile werden. Auch, weil es für mich viel zu scouten gibt für meinen eigentlichen Beruf (Pfannenstiel arbeitet als Scout für 1899 Hoffenheim, Anm. d. Red.).

Haben Sie denn für Hoffenheim schon einen Spieler im Auge?

Lutz Pfannenstiel: Wenn ich ihnen das jetzt sagen würde, dann müsste ich sie anschließend töten – top secret also. Aber Spaß beiseite. Es gibt natürlich viele interessante Spieler aus vielen Ländern oder innerhalb Deutschlands. Aber wenn ich das jetzt sagen würde, wäre ich natürlich ein Blödmann (lacht).

Wollen Sie die nächsten Jahre weiter als Scout arbeiten, oder können Sie sich vorstellen, auch nochmal als Trainer oder Torwarttrainer zu arbeiten?

Lutz Pfannenstiel: Ja, das kann ich mir vorstellen. Ich war, bevor mich Hoffenheim verpflichtet hat, erst Co-Trainer, dann Torwarttrainer und zum Schluss Nationaltrainer in Namibia. Das hat mir riesigen Spaß gemacht. Ich denke, man soll sich nie eine Tür zuschlagen. Meine Aufgabe jetzt lässt sich halt gut mit meiner Vergangenheit vereinbaren. Mal sehen, was die Zukunft bringt.

Wäre England da ein Traumziel?

Lutz Pfannenstiel: Ich war ja lange in England, habe immer noch gute Beziehungen und Familie dort. Das ist eine Herzensangelegenheit. Aber nach den ganzen langen Reisen durch die Welt, habe ich mich inzwischen wieder an Deutschland gewöhnt und mir macht die Arbeit bei Hoffenheim großen Spaß, da kann man weiterhin etwas Großes aufbauen. Ich stresse mich da erst mal nicht und warte einfach ab, was als Nächstes kommt. Jetzt habe ich gerade eine klare Aufgabe und will mit Hoffenheim noch einiges erreichen.

Würden Sie Spielern und Trainern raten, im Ausland Erfahrungen zu sammeln?

Lutz Pfannenstiel: Für einen Spieler ist es sicherlich nicht schlecht, mal Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Das ist die beste Schule des Lebens. Ich denke, das ist eine große Lebenserfahrung, welche die Persönlichkeit weiterentwickelt.

Ganz Deutschland spricht seit Wochen nur vom Champions-League-Finale zwischen Bayern München und Borussia Dortmund. Wie ist Ihr Tipp?

Lutz Pfannenstiel: Ich habe das große Glück, das Spiel für BBC kommentieren zu dürfen. Ich sehe das sehr neutral. Aber es ist natürlich eine wunderbare Geschichte, dass zwei deutsche Mannschaften im Finale sind. Letztes Jahr habe ich das Finale auch für die BBC kommentiert und eine dicke Lippe riskiert. Am Ende haben die Bayern gegen Chelsea verloren und ich wurde ungerechterweise ausgelacht. Das passiert dieses Mal schon mal nicht, denn es gibt zumindest einen deutschen Sieger. Wer das dann ist, muss ich ehrlich sagen, ist mir egal. Die bessere Mannschaft soll gewinnen.

Allerdings hat der FC Bayern eine Mega-Saison gespielt und momentan wohl die beste Bayern-Mannschaft aller Zeiten. Das spricht für die Bayern. Aber durch die jungen Wilden und den erfrischenden Fußball, den die Dortmunder spielen – dazu der große Motivator Jürgen Klopp -, denke ich, dass der BVB in diesem einen Spiel eine große Chance hat, den Bayern die Saison noch zu verderben. Bayern ist diese Gefahr bewusst, weshalb sie unter großem Druck stehen. Dortmund hat weniger zu verlieren.

Trainerlegende Dettmar Cramer: „Die Bayern hätten den Titel verdient“

Von Andreas Becker

Berlin. Dettmar Cramer hatte in jungen Jahren großes Glück. Kein geringerer als Sepp Herberger nahm sich der Karriere des späteren „Weltenbummlers“ an. Cramer selbst erzählt gern von seiner Anfangszeit, wie er bei den Herbergers ein- und ausging und wie ihn der erste deutsche Weltmeister-Coach förderte. Doch auch von Unstimmigkeiten in Sachen Karriereplanung berichtet Cramer. Alles in allem zählt für den heute 88-Jährigen allerdings nur eines: „Was ich im Fußball geworden bin, verdanke ich Sepp Herberger.“

Ein Held in Japan

Dettmar Cramer hat in seiner langen Karriere viel erlebt, war unter anderem Trainer beim DFB, Nationaltrainer der USA und in Saudi-Arabien und arbeitete in Japan, wo er bis heute verehrt und geliebt wird. Die Japaner rechnen ihm hoch an, dass er den Fußball in ihrem Land etabliert und in die Moderne geführt hat. In 90 Ländern lehrte er Fußball. Das brachte ihm nicht nur das Bundesverdienstkreuz und zwei Ehrenprofessuren ein, sondern er wurde von den Mohikanern und Sioux auch ehrenhalber zum Häuptling ernannt.

Titel mit dem FC Bayern

Seine sportlich erfolgreichste Zeit erlebte er jedoch beim FC Bayern München. In Deutschland war Cramer zudem bei Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen und Hertha BSC Berlin aktiv. Im Januar 1975 übernahm er bei den Bayern den Posten von Udo Lattek, der mit dem Klub 1974 zum ersten Mal den Landesmeister-Cup, dem Vorgänger der Champions League, gewonnen hatte. Keine leichte Aufgabe für Cramer, der keinen guten Start in der Liga erwischte und gleich in der Kritik stand. Allerdings hatte er mit Franz Beckenbauer einen großen Fürsprecher im Klub. „Die Ära Lattek ist vorbei, jetzt beginnt die Ära Cramer“, sagte Beckenbauer.

„Fußball-Professor“ und „Napoleon“

Die Bundesliga-Saison 1975/76 schloss Dettmar Cramer mit den Bayern „nur“ auf Platz drei ab. Im Europapokal der Landesmeister konnte er den Titel jedoch verteidigen. Im Finale siegte der FC Bayern mit 2:0 gegen Leeds United. Ein Jahr später konnte er den Erfolg sogar wiederholen (1:0 gegen AS St. Etienne). Dazu gewannen die Bayern 1976 zum ersten Mal den Weltpokal. Ein Triumph, den es bis heute so nicht mehr gegeben hat beim deutschen Rekordmeister. Für Sätze wie „Fußball ist ein Spiel aus Raum und Zeit“ bekam Cramer den Spitznamen „Fußball-Professor“. Auch „Napoleon“ wurde er gerufen, weil Beckenbauers frühere Freundin Diana Sandmann ihn im alten Münchner Olympiastadion in Napoleon-Montur ablichten ließ – seine Größe von 1,65 Meter tat sein übriges.

Schönste Zeit bei den Bayern

Da Dettmar Cramer in der Bundesliga an die europäischen Erfolge nicht anschließen konnte – Meister wurde er mit den Bayern nie -, wurde er im Dezember 1977 entlassen. Trotzdem beschreibt Cramer seine Zeit beim FC Bayern als „meine schönsten Jahre“. Und so wird die in Dortmund geborene Trainerlegende am kommenden Samstag auch den Bayern im Champions-League-Finale gegen Borussia Dortmund die Daumen drücken, wie er im Interview verriet. „Ich gratuliere beiden deutschen Mannschaften zum Erreichen des Endspiels. Ich wünsche mir und erwarte ein ideales Fußballspiel – nämlich eine Synthese von Erfolg und Schönheit für beide Mannschaften“, sagte er.

Titel nach München

„Wenn man einen Blick auf die zurückliegende Saison wirft, hätten die Bayern den Titel verdient. Der erfolgreichere Spielstil wird sich durchsetzen, aber auch Glück gehört dazu.“ Am Ende des Gesprächs schob Cramer noch den tiefgründigen Satz hinterher: „Fußball ist ein Spiegel des Lebens. Sowohl positiv als auch negativ.“ Da war er wieder der „Fußball-Professor“.

11plus3-Autor Andreas Becker (r.) mit Dettmar Cramer.

11plus3-Autor Andreas Becker (r.) mit Dettmar Cramer.