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Paul Breitner: „Ich hatte die Schnauze voll vom Fußball“

Welch große Fußballschlachten hat das Bruno-Plache-Stadion in Leipzig-Probstheida schon gesehen! Hier kamen die Stars des FC Barcelona oder des AC Mailand zum Zug, in der heutigen Zeit sind es die Kicker von Wacker Nordhausen oder Viktoria 1889 Berlin. Am Freitag gab es nun weltmeisterliche Ehren zu begutachten. Paul Breitner gestaltete eine Trainingseinheit des 1. FC Lokomotive Leipzig mit.

„Es erinnert mich ein wenig an meine Zeit in Braunschweig“, spielte Breitner beim Betreten auf das renovierungsbedürftige Stadion an, „ich habe aber auch keine Säbener Straße erwartet.“ Schnell lief auch er mit auf den Rasen, balancierte den Ball wie in früheren Jahren und war auch für den einen oder anderen Doppelpass mit den Lok-Spielern gut.

Der blau-gelbe Coach Eric Eiselt war immer wieder in Fachgesprächen mit dem 74’er Weltmeister vertieft, doch Breitner erklärte auch, warum er selbst nie Trainer werden wollte. „Ich wollte mein Schicksal nicht in die Hände von elf, 15 oder 20 Spielern geben, ob sie es denn nun wollten oder nicht. Ich wollte selbst über mein Leben bestimmen“, führte Breitner seine Beweggründe gegen eine Trainerkarriere aus: „Nach 13 Jahren hatte ich die Schnauze voll vom Fußball. Ich war müde. Ein reibungsloser Übergang ins Trainergeschäft wäre da nicht möglich gewesen.“

Auf dem Platz hätte er seine Mitspieler anfeuern und mitreißen können, als Trainer ginge dies nicht: „Da sitzt du auf der Bank und hoffst, dass alles gut läuft.“ Und verpasst habe die Liga so oder so nichts: „Es wären ein paar lustige Sprüche mehr gewesen, aber die Bundesliga wäre durch einen Trainer Breitner auch nicht besser geworden.“

Die Bundesliga ist nicht besser geworden, dafür aber hunderte Jugendliche. Ganz im Geheimen, ohne dass es jemand wusste, coachte Deutschlands Fußballer des Jahres 1981 die Jugend seines Dorfklubs. „Ich wollte nicht wie viele meinen etwas zurückgeben, sondern einfach etwas weitergeben. Die Erfahrungen und die Grundwerte, wie Respekt wollte ich weitergeben“, erklärte Breitner.

Fast hätte es für ihn ja auch nach ganz oben gereicht. Immerhin „17 Stunden Bundestrainer“ stünden nach der Weltmeisterschaft 1998 in seiner Vita. In den Gesprächen mit dem damaligen DFB-Präsidenten Egidius Braun habe aber auch festgestanden, dass Breitner nur „eine Übergangslösung“ sein sollte: „Ich hätte den Karren aus dem Dreck gezogen, wäre sozusagen als Bundestrainer der Konkursverwalter des deutschen Fußballs gewesen.“

Lok Leipzig: 70.000 Euro „mehr als nur ein Tropfen auf den heißen Stein“

Leipzig. Für den klammen 1. FC Lokomotive Leipzig war das Champions-League-Flair, das der FC Schalke 04 mitbrachte ein wahrer Segen. 70.000 Euro ließen auch Lok-Boss Heiko Spauke nach der Partie ein Lächeln auf die Lippen zaubern in diesen schweren Tagen: „Angesichts unserer finanziellen Altlasten mehr als nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Dass die Partie mit 1:2 verloren wurde, änderte an der Freude auch nichts. Vielmehr hielt Lok sehr gut mit. Man darf hier nicht vergessen, dass Trainer Carsten Hänsel im Sommer die halbe Mannschaft austauschen musste, die Marco Rose in der abgelaufenen Regionalliga-Saison verdient zum Klassenerhalt geführt hatte. Immer wieder störten die Leipziger den Spielaufbau der Schalker, die auch noch nicht in der Form sind, in der sie sein wollen. Benedikt Höwedes nach dem Spiel: „Gerade auf diesem Platz hat es nicht so gut funktioniert, das haben wohl alle gesehen.“ Gut, der Platz war, um es vorsichtig zu sagen, eine mittlere Katastrophe.

1. FC Lok Leipzig gegen Schalke 04

1. FC Lok Leipzig gegen Schalke 04

Die Sonne brannte tagelang auf das Grün, nun respektive Gelb. Hinzukam noch das Wasser, das auf der einen Seite stand, nachdem es zuvor stark geregnet hatte. Bitter war hier, dass es den Blau-Gelben einfach am Geld für die Reparatur der Pumpe fehlte, damit sie den Rasen wässern könnten. Nun hat der Verein immerhin Geld eingenommen, das den arg gebeutelten Finanzen helfen wird. 4999 Fans waren auf den Tribünen vertreten, ein Glücklicher ersteigerte sich den Platz neben Coach Hänsel. Auch das brachte ein paar hundert Euro ein.

Das große Ziel für die kommende Saison ist der Klassenerhalt und sollte vor allem Ruhe im Verein sein. Im Bruno-Plache-Stadion wird Tradition geatmet. Hier spielt der erste deutsche Meister in jener Stadt, in der der Deutsche Fußball-Bund gegründet wurde. Wie bei so vielen Ostvereinen wurde auch bei Lok Misswirtschaft betrieben, Machtkämpfe ausgetragen, die nun aber der Vergangenheit angehören sollen. Noch ist kein neuer Brustsponsor gefunden, das altehrwürdige „Plache“ knackt und knurrt an vielen Ecken und Kanten, der Weg ist weit und steinig. Doch die Probstheidaer kämpften sich immer wieder zurück. Als sie zur Jahrtausendwende als VfB Leipzig in die Insolvenzgehen mussten, Lokomotive Leipzig, so wie der Verein heute ist, neu gründeten und sich von ganz unten wieder nach oben kämpften, immer standen die Fans an der Seite des Klubs. Der Verein ging und geht über alles.

So zeigten sie auch nach den Querelen zu Beginn des Jahres eine klare Meinung: „Wir sind der Verein“ skandierten sie in Erinnerung an den berühmten Demonstrationsruf der Leipziger zur politischen Wende im Herbst 1989. Der Verein wurde vor der Insolvenz gerettet vorerst. Die Anhänger spendeten Geld, damit der Klub weiterbesteht. Auch beim verhassten Rivalen wurde um Geld gebeten. Die Mädchen- und Frauenabteilung wurde zur neuen Saison ausgelagert. Sie habe sich einfach nicht mehr rentiert. Die Männer in der vierten Liga sind und bleiben das Kerngeschäft. Hier soll an die glorreiche Vergangenheit angeknüpft werden. Mit dem neuen Präsidenten Heiko Spauke soll es gelingen.

Zu Ende geschrieben ist das Kapitel Lokomotive Leipzig noch lange nicht. Und sollte es auch nie. Tradition darf nicht einfach untergehen!

Leipzig, Salzburg und nun Pasching – Red Bull und die Wettbewerbsintegrität

Das Wunder von Österreich ist perfekt. Als unterklassiges Team hat der FC Pasching den ÖFB-Cup geholt. Ein 1:0 gegen den neuen Meister Austria Wien. Auf den ersten Blick ein Wunder, ja eine Sensation!

So wird es auch in den meisten Medien verkauft – eben als Sensation, als Wunder, als etwas ganz großes! Ohne Frage, es ist etwas ganz Besonderes, aber nicht weil ein Drittligist gegen den aktuellen Meister Österreichs im Pokalfinale gewonnen hat. Sondern warum keiner die tatsächliche Situation sieht oder sehen will?!

Das fragt man sich unweigerlich, ob die etablierten Medien es nicht wissen oder wahrhaben wollen. Pasching ist das Farm-Team von Red Bull Salzburg, Team Red Bull 3! Die Sensation nicht ganz so groß, denn sie haben die eine oder andere Mark mehr auf dem Konto, als die Konkurrenten. Sie sind gespickt mit ehemaligen Bundesliga-Spielern und drängen in die Bundesliga. Red Bull ist offiziell „nur“ Sponsor, der Vertrag läuft 2014 aus, aber auch knapp 80 Prozent des Etats sind Dosen-Dollar.

Zweimal Red Bull in Europa?

Durch den Einzug ins Finale und letztlich dem Sieg haben sie die Qualifikation zur Europa League erreicht. Problematisch könnte es nun werden, wenn man sich die UEFA-Regularien anschaut. Dort gibt es ein eigenes Kapitel zum Thema „Integrität des Wettbewerbs“. Dieser Artikel 3 legt fest, dass „niemand gleichzeitig entweder direkt oder indirekt in irgendeiner Eigenschaft in der Verwaltung, Administration oder dem sportlichen Auftritt eines anderen Vereins in einem UEFA-Klubwettbewerb beteiligt sein darf“.

Direkt beteiligt ist Red Bull in Salzburg, keine Frage, die zu stellen wäre mehr als naiv. Sie treten in der kommenden Saison in der Qualifikation zur Champions League an. Indirekt sind sie es noch bei West-Drittligist Liefering, der auch offiziell vom Österreichischen Fußballverband als zweites Red-Bull-Team gewertet wird („Es ist erwiesen, dass der Verein unter Kontrolle von Red Bull steht“) und somit nicht am ÖFB-Cup teilnehmen darf etc. Nun stellt sich die Frage, wie weit es bei Pasching der Fall ist.

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Verdacht, Verdacht, Verdacht

Ein kleiner Verdacht: Die Pasching-Präsidenten Martin Hengstschläger und Rene Lindner residieren mit ihrer Rechtsanwaltskanzlei an jener Linzer Adresse, an der laut oberösterreichischer Rechtsanwaltskammer im Mai 2011 Red-Bull-Vorstand Volker Viechtbauer als Rechtsanwalt eingetragen war. Das Trainerteam Gerald Baumgartner und Martin Hiden kam von den Red-Bull-Juniors, also dem zweiten Team von Salzburg. Einige Spieler sind von den Juniors ausgeliehen. Etwas unauffälliger ist, dass Geschäftsführer Norbert Schnell beim USK Anif tätig war. Verdächtig ist es, weil er seit Sommer 2012 unter dem Namen FC Liefering in der Westliga antritt.

Alles etwas kurios, aber offiziell nicht anrüchig, denn geprüft hat der Verband die Integrität des Vereins bereits und kam zum folgenden Ergebnis: „Im Zuge des Verfahrens konnte nicht nachgewiesen werden, dass die Red Bull GmbH beherrschenden Einfluss auf den FC Pasching ausübt. Daher war das Verfahren aus Mangel an Beweisen einzustellen.“ Pasching-Präsident Hengstschläger ergänzte im Neuen Volksblatt: „Wir wurden bereits vom ÖFB zweimal geprüft und haben auch vor einer UEFA-Prüfung keine Angst.“

Sollte die UEFA zu einem anderen Urteil kommen, als der ÖFB, dann würde nur jener Klub zugelassen werden, „der sich für den ranghöheren Wettbewerb (Champions League) qualifiziert“ hat, wie es in den Regularien heißt.

Nicht das erste Mal

In der Vergangenheit geriet Roman Abramowitsch als Mäzen von Chelsea und ZSKA Moskau in ein schiefes Licht. Damals wurden beide Vereine zugelassen. 1998 war die Investorengruppe ENIC Haupteigentümer von AEK Athen und Slavia Prag. Beide Klubs waren für den UEFA-Pokal qualifiziert. Der europäische Verband verbot damals die Teilnahme der Griechen. Diese Entscheidung wurde von der Europäischen Kommission bestätigt, doch ENIC erwirkte in der Schweiz eine einstweilige Verfügung, deren Folge die Teilnahme beider Klubs war.

Das Thema Integrität ist eben doch nicht so eindeutig, wie es sein sollte.

von Fabian Biastoch