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Xavi: Das Ende eines großartigen Fußballers

Irgendwann ist es vorbei. Irgendwann geht es einfach nicht mehr. Und dann werden sie aussortiert.

So ist es in den vergangenen Jahren schon einigen prominenten Fußballprofis gegangen. In Deutschland der wohl bekannteste Fall: Michael Ballack. Wegen einer Verletzung verpasste er die WM 2010 in Südafrika. Die deutsche Elf spielte groß auf, und am Ende redete keiner mehr vom besten deutschen Spieler in den ersten zehn 2000er Jahren, der seine Karriere 2012 bei Bayer Leverkusen beendete.

Wenn man jetzt nach Brasilien schaut, trifft es einen Spanier, der wohl von der großen Bühne abtreten wird: Mittelfeldstratege Xavi. Xavi bestimmte die Erfolge der spanischen Nationalmannschaft und des FC Barcelona in den letzten Jahren. Er führte Barca zu sieben Meisterschaften, zwei Pokalsiegen und drei Triumphen in der Champions League. Mit der Nationalmannschaft wurde Xavi 2008 und 2012 Europameister, 2010 gewann er mit den Iberern in Südafrika den ersten WM-Titel in der spanischen Fußball-Geschichte. Im Jahr des großen WM-Triumphs wurde Xavi allerdings seine größte, individuelle Auszeichnung genommen: die des Weltfußballers des Jahres. Die Wahl von Lionel Messi sorgte damals nicht nur in Spanien für Unverständnis.

Das vorzeitige Aus der spanischen Mannschaft bei der WM in Brasilien ist nicht nur gelichbedeutend mit dem Ende des großartigen Tiki-Taka-Systems, es ist auch das Ende von Xavi, der nach der 1:5-Pleite gegen Holland im zweiten Spiel gegen Chile (0:2) auf die Bank musste. Eine Majestätsbeleidigung. Xavi wird wohl aus dem spanischen Team zurücktreten und gleichzeitig auch den FC Barcelona nach 23 Jahren verlassen. Die Sporttageszeitung El Mundo Deportivo berichtet, dass Xavi einen Vorvertrag bei Al Arabi/Katar unterschrieben hat. Das behauptet Al-Arabi-Coach Dan Petrescu im rumänischen Fernsehen. Xavi soll demnach acht Millionen Dollar im Jahr verdienen. Eine Summe, die seinen noch immer ansprechenden Leistungen und seinen Erfolgen, gerecht wird.

Xavi hat nicht nur den spanischen Fußballfans über die Jahre viel Freude bereitet. Seine Traumpässe und seine Traumtore werden nicht in Vergessenheit geraten.

Pep Guardiola – „Der begehrteste Trainer der Welt“

Am 24. Juli 2013 begann beim FC Bayern München eine neue Zeitrechnung. Klar, etwas Ähnliches wurde auch geschrieben, als Jürgen Klinsmann oder Louis van Gaal das Traineramt beim deutschen Rekordmeister übernahmen. Aber die Ankunft von Pep Guadriola in München wurde gefeiert und zelebriert – so etwas hatte es selbst bei den Bayern noch nicht gegeben.

Man kann wohl von der größten und medienwirksamsten Presseveranstaltung in der Geschichte des Klubs sprechen. Der erste Auftritt von Guardiola lockte mehr als 200 internationale Journalisten in die Münchener Allianz Arena, Kamerateams sendeten Live-Bilder in die ganze Welt hinaus. Und was machte Pep? Er setzte sich auf seinen Platz, locker und entspannt grüßte er die Runde: „Guten Tag, grüß Gott, meine Damen und Herren.“

Der ehemalige Weltklassespieler hatte angekündigt, seine erste Pressekonferenz und das erste Training in Deutsch halten zu wollen – und das tat er. Der Einstieg in seinen neuen Job hätte trotzdem leichter sein können, schließlich hatte sein Vorgänger, Jupp Heynckes, gerade erst die erfolgreichste Saison des FC Bayern mit dem Triple abgeschlossen. Aber Pep Guardiola wäre nicht Pep Guardiola, wenn er die Herausforderung nicht sofort angenommen hätte. Er wollte nur zu den Bayern – trotz Millionen-Offerten aus England und Italien.

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„Guardiola – Der Fußball-Philosoph“, 256 Seiten, 14,90 Euro, ISBN: 978-3-7307-0042-6

Und der Erfolg in den ersten Wochen gibt ihm Recht. Nach leichten Startschwierigkeiten, hat er den Bayern seine Art Fußball spielen zu wollen eingeimpft. Wie schon in der letzten Saison dominieren sie in allen Wettbewerben. Die geäußerte Verwunderung und Kritik, unter anderem am verlorenen Supercup-Finale gegen Borussia Dortmund oder die Verschiebung Philipp Lahms von der rechten Abwehrseite ins defensive Mittelfeld, ist längst verpufft. Pep Guardiola hat sich von alledem nicht ablenken lassen, er verfolgt konsequent seinen Weg.

Doch wer ist eigentlich Josep „Pep“ Guardiola i Sala? Was zeichnet ihn aus? Wie erklären sich seine Erfolge? Dietrich Schulze-Marmeling hat den Weg des „begehrtesten Trainers der Welt“ genau verfolgt und nun in der Biographie „Guardiola – Der Fußball-Philiosoph“ aufgeschrieben. Er erzählt, wie Guardiola zum Strategen des Dream-Teams in Barcelona wurde, von Reibereien mit Louis van Gaal und von seinem Weg zum ersten „Sextuple“-Trainer.

Dietrich Schulze-Marmeling zeichnet ein genaues Bild von Guardiola und seinem Weg vom Weltklasse-Spieler zum Weltklasse-Trainer. Den Weg eines – trotz seiner vielen Erfolge – bescheidenen Mannes, der einmal auf die Frage „Macht Pep Guardiola große Mannschaften oder machen große Mannschaften Pep Guardiola?“ antwortete: „Mein Verdienst ist nur, dass ich gute Spieler habe. Sucht bitte keine anderen Erklärungen.“

Gerardo Martino – Newell’s lebende Legende ist der neue Mann beim FC Barcelona

Der Schock in Barcelona war nicht nur in Lionel Messis Gesicht zu sehen. Sämtliche Profis nahmen am vergangenen Freitag an der kurzfristig anberaumten Pressekonferenz teil.

Präsident Sandro Rosell verkündete schließlich jene Nachricht, die er „nicht wirklich wollte“: „Nach anstrengenden Tests hinsichtlich der gesundheitlichen Situation von Tito hat sich ergeben, dass er sich weiterer Behandlungen unterziehen muss, die es zeitlich nicht mehr zulassen, dass er auf der Trainerbank sitzt.“ Die Überraschung im Fußball-Spanien war, leider, perfekt.

Nahezu ebenso groß war die Überraschung des neuen Trainers im Camp Nou. Gerardo Martino, genannt Tata, wird die Mannschaft um die Superstars Lionel Messi und Neymar zukünftig führen.

Ein „Namenloser“ für die Weltstars? Nichts Neues bei Barca. Auch ein Frank Rijkaard hatte „nur“ als Spieler Erfolg als er auf die Trainerbank der Katalanen Platz nahm. Das Gleiche gilt für Pep Guardiola. Eine erfolgreiche Zeit mit Barcas zweiter Mannschaft reichte aus. Bei beiden „Wagnissen“ wurden die Verantwortlichen mit Titeln beschenkt.

„Ich kenne Tata nicht sehr gut“, so Vereinslegende Johan Cruyff dem Fernsehsender El 9. „Wie auch immer, Rijkaard und Guardiola gewannen keine Titel, bevor sie bei Barcelona begonnen haben. Am Ende waren sie sehr erfolgreich. Ich habe keine Bedenken, dass Martino den gleichen Weg gehen wird.“

Und im Unterschied zu Rijkaard und Guardiola feierte Martino schon einige Erfolge als Übungsleiter.

Als Spieler wurde er bei den Newell’s Old Boys zur Legende, nein zu DER Legende. In über 500 Partien führte er den Klub aus Rosario zu drei Meisterschaften. Als Trainer wiederholte er das Kunststück in der gerade abgelaufenen Saison. Zuvor wurde er in Paraguay innerhalb von fünf Jahren viermal Landesmeister: Mit Libertad 2002, 2003, 2006 und dazwischen 2004 mit Cerro Porteño. Die Landesauswahl Paraguays führte er bis ins Viertelfinale der WM 2010, wo die Guaraníes umstritten und denkbar knapp 0:1 an Spanien scheiterten. Nach der Copa-América-Finalniederlage trat Tata 2011 überraschend zurück und ging erstmals als Coach zu den Old Boys.

Hier ließ er in der Folgezeit, wie auch Guardiola bei Barcelona, ein ungemein offensives 4-3-3 spielen. Wie auch in der Entwicklung des jungen Trainers Guardiola, spielte bei Martino der ehemalige Coach von Athletic Bilbao, Marcelo Bielsa eine tragende Rolle.

Martino war unter seinem Landsmann Kapitän und Schlüsselfigur bei den Newell’s Old Boys. Zusammen feierten sie die erfolgreichste Zeit des Klubs. In nur zwei Jahren, mit zwei Landesmeistertiteln und einem Finaleinzug in der Copa Libertadores, prägte Bielsa zwischen 1990 und 1992 den jungen Mittelfeldspieler.

Sein Mentor, ebenfalls in Rosario geboren, setzte auf eine enorme Spielgeschwindigkeit, technisch herausragende Ballannahmen, hohen Ballbesitz und ebenso hohes Pressing, all das sah man damals bei den Old Boys wie auch knapp zwanzig Jahre später bei Peps Barcelona oder bei Martinos Old Boys. Guardiola adelte seinen guten Freund Bielsa später als „den besten Trainer des Planeten“.

„El Loco“ wiederum adelte Guardiolas Nachnachfolger bei Barca schon früh: „Ich trainierte ihn. Aber ich lernte von ihm durch seine Spielweise, seine Arbeit als Kapitän und Anführer… ein kompletter, bewundernswerter Mensch.“

Die Katalanen haben überraschend einen Externen verpflichtet, aber eigentlich auch nicht. Martino wird ohne Frage einen offensiven Fußball spielen lassen. Tatas Idee vom Fußball ist viel näher am System „Barcelona“ als man auf den ersten Blick denken möchte.